Rezension: Unland – Antje Wagner

unland
Antje Wagner: Unland Gulliver Verlag (Beltz & Gelberg) Broschiert, 379 S, € 8,95

 

 

Inhalt:

Franka kommt von Berlin nach Waldburgen, in eine sogenannte ‚Erziehungsstelle‘, betreut von den Pädagogen Vera und Andreas Kämpf.

So nach und nach lernt sie ihre Mitbewohner/innen kennen: die Zwillinge Ann und Lizzie, Ricardo, Matthias, Axel und Denise.

In der Schule und im Dorf sieht sie sich Anfeindungen ausgesetzt. Merkwürdige Dinge passieren, und alle Spuren scheinen in Unland, einer gesperrten Zone in der Nähe Waldburgens, zusammen zulaufen…

Meine Meinung:

Bevor ich mich um ein Rezensionsexemplar für Unland bewarb, hatte ich mir natürlich den Klappentext durchgelesen. Ich fand auch diverse Rezensionen, die mich immer neugieriger machten, da dieses Buch die Leserschaft offensichtlich spaltet.

Natürlich wusste ich nicht, was mich erwartet, ich machte mich aber auf ein unbefriedigendes Ende gefasst.

Um es vorweg zu nehmen: das Ende hat mich nicht enttäuscht.

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend. Die Charaktere sind sehr plastisch: all die kleinen Details machen die Personen real, ohne dass der Roman dadurch langatmig wird. Die Autorin hält uns einen Spiegel vor der zeigt, wie wir als Volk mit Menschen umgehen, die nicht ins Schema passen. Am Beispiel der Kinder und Jugendlichen in Haus Eulenruh wird plastisch und drastisch dargestellt welchen Angriffen sich Leute hier im Land ausgesetzt sehen, die „anders“ sind. Es geht nicht um Flüchtlinge, aber Franka und Co stehen für alle, die wir gemeinhin als Randgruppen oder Minderheiten abstempeln.

Die Deutschen sind kein Volk der Inklusion, sie grenzen lieber aus und verurteilen. Sie lassen sich aufwiegeln und aufhetzen.
Die Boulevardpresse greift geschickt Ängste auf und verbreitet Halbwahrheiten oder gar Lügen die diese Ängste bedienen.

Das Ergebnis (im richtigen Leben) ist dann zum Beispiel ein Bürgermeister, der abdankt weil seine Familie bedroht wird als er im Ort Flüchtlinge aufnehmen will.

Obwohl das Buch nicht ganz neu ist, ist es hochaktuell. Und damit kein falscher Eindruck entsteht: hier wird nicht mit erhobenem Zeigefinger gemahnt, sondern ganz einfach eine Realität dargestellt, wie man sie in so ziemlich jedem deutschen Dorf finden könnte.
Die Problematik wird sehr gut demonstriert, es gibt sogar einen Versuch, die Leute zum Umdenken zu bewegen — eindrucksvoll dargestellt am Beispiel der Gaußschen Kurve.

Das Ende war überraschend. Für mich stellt sich nicht die Frage, ob so etwas tatsächlich möglich ist, sondern die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Eine Spirale der Gewalt ist durchaus wahrscheinlich, aber wir erleben sie in diesem Buch nicht. Franka erkennt diese Gefahr zwar, sieht sich aber außerstande, etwas dagegen zu unternehmen. Ich würde diesen Roman durchaus in das Genre der Dystopien einordnen.

Das Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer für Inklusion und Toleranz, dabei kommt es ganz ohne Religion und Moralisieren aus, und die Spannung kommt auf keinen Fall zu kurz. Es ist unbedingt empfehlenswert.

 

Fünf von fünf Sternen

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2 Gedanken zu “Rezension: Unland – Antje Wagner

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