rezension: Nox: Unten – Yves Grevet

 

Yves Grevet: Nox (Bd 1); dtv, 320 S., €14,95(D)
Yves Grevet: Nox (Bd 1); dtv, 320 S., €14,95(D)

Vor einer knappen Woche erreichte mich mein persönliches Leseexemplar für Nox, von Yves Grevet.

Ich hatte gerade die Méto-Reihe gehört (in der Übersetzung von Stephanie Singh, gelesen von Rainer Strecker), deswegen bewarb ich mich spontan als Testleser auf Literaturschock.

Die Méto-Trilogie hatte mir sehr gut gefallen, deswegen war ich sehr gespannt was mich erwarten würde.

 

Soviel vorab: ich wurde nicht enttäuscht. Es fing schon damit an, dass dies eine besondere Ausgabe ist, speziell für Rezensenten; da fühlte ich mich gleich ganz anders: irgendwie wertvoll. 🙂

 

Aber zum Buch:

Irgendeine Katastrophe hat die Erde verseucht. Lange danach gibt es zwei Klassen von Menschen: die, die über der Giftwolke leben, in der sogenannten Oberstadt, und die, die unter der Wolke leben und praktisch wie Sklaven der Oberstadtmenschen sind. Unten ist es dunkel, Strom muss mit Muskelkraft erzeugt werden, und es herrscht eine Diktatur, brutal durchgesetzt von der Miliz.

Lucen und seine Freunde sind beinahe erwachsen und müssen sich entscheiden: schließen sie sich der Miliz an, oder dem bewaffneten Widerstand, der mit IRA-Methoden gegen den Status Quo kämpft?

 

Auch in der Oberstadt laufen heimliche Bestrebungen, die Menschen zu vereinen. Ludmilla, die Tochter eines einflussreichen, reichen Mannes, steht auch an einer Wegscheide. Ludmilla und Lucens Wege kreuzen sich, und diese Begegnung hat Folgen für beide.

 

Meine Meinung:

 

Yves Grevet erschafft ein sehr düsteres Szenario das unter die Haut geht. Es ist nicht meilenweit entfernt von der Realität, man denke nur an das 3. Reich, oder an die ehemalige DDR (sowie an viele andere totalitäre Regime dieser Welt).

Misstrauen, Bespitzelungen, Verleumdungen und Denunziation sind an der Tagesordnung, nicht nur in der Unterstadt. Menschen werden gefoltert, zu Tode geprügelt, oder verschwinden.

Lucen ist nicht sehr politisch, gerät aber mehr oder weniger ohne sein Zutun zwischen die Fronten und muss sich für eine Seite entscheiden. Sein Freund Gerges ist in einer ähnlichen Zwangslage. Beide werden manipuliert und in ihre jeweilige Richtung gedrängt.

Es kommt, wie es kommen muss: Gerges fühlt sich von Lucen verraten und schwört Rache.

Lucen hingegen wird von einem ihm sehr nahe stehenden Menschen verraten.

Sie befinden sich beide in einer ziemlich ausweglosen Situation.

Auch Ludmilla, das reiche Mädchen aus der Oberstadt, hat es nicht leicht. Sie ist naiv und unerfahren, und zudem hat sie niemanden, dem sie sich anvertrauen kann.

Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven: mal ist es Lucen, mal Gerges, mal Ludmilla, die erzählt.

Natürlich kommt es dabei zu Überschneidungen, denn gewisse Sachen erleben sie gemeinschaftlich, aber trotzdem unterscheiden sich die Abschnitte genauso sehr wie die Personen, die sie erzählen.

Wir bekommen tiefe Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt dieser drei Protagonisten, und so können wir uns ein recht gutes Bild von den Geschehnissen machen.

Das Buch ist fantastisch geschrieben, obwohl die Sprache schlicht ist. Etwas anderes würde hier meiner Meinung nach aber auch nicht passen. Leider endet es recht abrupt; dafür gibt es einen Punktabzug, denn ich bin es langsam wirklich leid, am Ende eines ersten Bandes so in der Luft zu hängen.

Es ist aber so spannend, dass ich jetzt in den sauren Apfel gebissen habe, und mir die Fortsetzung im Original gekauft habe (dabei habe ich seit über 20 Jahren kein Französisch mehr gesprochen), da die Übersetzung erst im September diesen Jahres erscheinen soll.

 

Viereinhalb  von fünf Sternen.

 

 

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3 thoughts on “rezension: Nox: Unten – Yves Grevet

    1. Prima. 🙂 Ich habe jetzt den Folgeband angefangen (auf französisch). An ein Happy End glaube ich nicht, aber es ist auch sehr spannend und sehr beklemmend. 🙂

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