Rezension: Joan Weng – Feine Leute

Joan Weng: Feine Leute; atb; TB; 333S.; €9,99
Joan Weng: Feine Leute; atb; TB; 333S.; €9,99

Inhalt:

In einem Hotelzimmer in Berlin wird der schwer reiche Straumann erschossen aufgefunden. Der Verdacht fällt schnell auf seinen Verwalter, Max Bayer, beauftragt von  Straumanns Ehefrau Bernice.


Kriminalkommissar Paul Genzer ermittelt. Er hat den Verdacht, dass die Lösung nicht so einfach und offensichtlich ist, wie sie scheint, was durch den Mord Bernices kurze Zeit später erhärtet wird. Verstärkt wird er in seiner Vermutung durch den UFA Schauspieler Carl Bäumer, dem er ziemlich nahe steht, und der ihn bei seinen Ermittlungen unterstützt.

Meine Meinung:

Ich habe früher viele Krimis gelesen, dann jahrelang keine, und in letzter Zeit wieder den einen oder anderen. Überzeugen konnten sie mich leider nicht.

Im Prolog erfahren wir schon, was es mit dem Tod Straumanns auf sich hat, aber dann erfahren wir lange Zeit nichts mehr. Das Buch ist total zerfasert, es gibt keinen roten Faden, kein Gedanke wird zu Ende geführt. Der Leser wird von einem Schauplatz zum nächsten geworfen, was gerade am Anfang des Buches sehr verwirrend ist, zumal man nicht erfährt, wer nun eigentlich was gemacht hat, oder auch nicht, und ob und wie alles zusammenhängt.

Das einzig Durchgängige ist die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten zueinander, wie alle anderen ins Bild passen wird bis zum Schluss nicht klar. Man bekommt hier ein Häppchen, da ein Häppchen, und bevor man etwas greifen kann ist man schon wieder ganz woanders, wo man wieder nur ein Häppchen serviert bekommt. Mein Eindruck war, dass ich nur unzusammenhängende Schnipsel vorgeworfen bekam, was darin mündete, dass ich nach 2/3 des Buches jegliches Interesse verloren hatte, das ohnehin nicht so recht aufkommen konnte.

Die Sprache ist in Ordnung, passt aber nicht unbedingt zu den jeweiligen Personen; so philosophiert zum Beispiel der ungebildete Kleinganove Emil Braunzer über die Vergnügungsstätte ‚Dantes Inferno‘ in einer so (ab)gehobenen Weise, dass es vollkommen unglaubwürdig ist und auch durch das eine oder andere eingestreute Berliner Dialektword nicht glaubhafter wird.  Überhaupt waren mir die Charaktere zu klischeehaft: die fetten stinkenden Prols, die verkommenen Reichen, die zickigen Adligen, die Weiber die nur auf Ehe aus sind, und ein paar aufstrebende Liberale: und Alle, Alle koksen oder nehmen Morphium, oder beides.

Die Stimmung des Berlins der 1920er Jahre kam für mich überhaupt nicht rüber. Keine Musik, kein Cabaret, keine ‚Wilden Zwanziger‘ mit Aufschwung und erstarkenden Konjunktur. Nur Elend, Mord und Kriminalität, dabei ist doch gerade Berlin bekannt für die Goldenen Zwanziger, die zwischen 1924 und 1929 die Stadt prägten. Davon ist in dem Buch leider gar nichts zu spüren.

Ich vermute mal, dass der Titel ironisch gemeint ist, denn wir bewegen uns in den Kreisen des Proletariats und der Kriminellen (Schieber, Gangster…), mit gelegentlichen Blicken auf die gehobene Gesellschaft – von feinen Leuten keine Spur.

Die Idee des ermittelnden Schauspielers erinnert mich an ‚Castle‘, obwohl das dort ein Schriftsteller ist, und die Motivation eine andere, und es war auch sicher nicht Vorbild. Es hat mich nur irgendwie daran erinnert.

Ich muss leider sagen, dass ich das Buch zu keiner Zeit spannend fand, denn durch die Art wie das Buch aufgebaut ist kann von vornherein keine Spannung aufgebaut werden.

Der Streit unter Liebenden war überzeugend beschrieben, Verleumdungen, Missverständnisse und Mangel an Kommunikation waren sehr eindringlich, konnten das Buch aber auch nicht herausreißen.

Die Idee an sich war gut, aber die Umsetzung hat für mich überhaupt nicht funktioniert.

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2 Gedanken zu “Rezension: Joan Weng – Feine Leute

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