Rezension: Que Du Luu – Im Jahr des Affen

Que Du Luu: Im Jahr des Affen;koenigskinder-verlag; HC; 285 S., €16,99
Que Du Luu: Im Jahr des Affen;koenigskinder-verlag; HC; 285 S., €16,99

 

Inhalt:

Mini möchte nichts lieber sein als ein typischer Teenager. Im Freundeskreis gelingt ihr das auch, nicht so jedoch in ihrer Familie, oder im Chinarestaurant, welches ihr Vater betreibt. Als dieser ins Krankenhaus kommt, muss Mini das Restaurant führen und sich gleichzeitig um ihren Onkel kümmern, der zu Besuch aus Australien angereist ist. Dabei ist Mini frisch verliebt und würde sich am Liebsten nur um Bela kümmern – so heißt der Junge ihrer Träume.

 

Meine Meinung:

Es ist gar nicht so einfach den Inhalt zusammenzufassen ohne zuviel Preis zugeben.

Mini hat mit diversen Problemen zu kämpfen, und zwar von allen Seiten. Die Deutschen können es nicht verstehen, dass Mini so gar keine Erinnerung an ihre Flucht aus Vietnam hat (dabei war sie erst drei Jahre alt als ihr Vater mit ihr floh), und dass sie auch nicht übermäßig daran interessiert ist. Sie lebt aber im Hier und Jetzt, und ist ein ganz normaler Teenager mit all den Problemen die das mit sich bringt.

Als ihr Onkel (der ältere Bruder ihres Vaters) zu Besuch kommt, ist dieser empört dass Mini weder die chinesische Sprache beherrscht, noch etwas über die Kultur oder ihre Vergangenheit weiß.

Ungerechterweise lastet er das Mini an, obwohl doch ihr Vater ganz offensichtlch versäumt hat, Mini diese Dinge zu vermitteln. Ihr Vater hat aber anscheinend seine Vergangenheit verdrängt — jedenfalls ist er anfangs nicht zu glücklich, dass sein Bruder das alles wieder aufrührt.

Nach einem Herzinfarkt und einem weiteren Zusammenbruch kommt Minis Vater ins Krankenhaus, und jetzt hat Mini plötzlich das Restaurant und die beiden Mitarbeiter am Bein (von Onkel Wu ganz zu schweigen).

Mit Bao, dem Koch, streitet sie sich, erfährt dann aber von ihm so einiges über die Flucht. Der andere Mitarbeiter, Ling, hat keine Arbeitsgenehmigung.

Das Restaurant läuft sehr schlecht, ich habe mich das ganze Buch über gefragt, wie es überhaupt laufen kann, denn Geld kommt wenig herein. Anscheinend bekommen Bao und Ling fast kein Geld, und es gibt diverse offene Rechnungen, wie Mini erfährt als sie die Post öffnet.

Es gibt diverse Verwicklungen, und wir Deutschen bekommen einen Spiegel vorgehalten, die Chinesen aber auch. Die Situationskomik die sich aus dem Aufeinanderprallen zweier so verschiedener Kulturen ergibt ist wundervoll beschrieben.

Überhaupt vereint der Roman diverse Genres sehr gelungen: es ist ein bisschen eine Komödie, ein Bildungs- und Entwicklungsroman. Es gibt hier keinen vorgehaltenen Zeigefinger, keine Vorwürfe oder dergleichen, trotzdem erfährt man eine Menge, und wer ehrlich ist, wird sich selbst wiedererkennen.

Es gibt eine Szene in einem noblen Café-Restaurant die urkomisch ist, gleichzeitig aber aufzeigt, wie verschieden die Kulturen sind — etwas, das auch durch die Sprache erklärt wird, denn es sind oft chinesische Worte eingestreut, die erklärt werden und das Buch und die Leser bereichern.

Oft sind es Kleinigkeiten, die die Unterschiede ausmachen, wie zum Beispiel, dass schmatzen und schlürfen hier verpönt ist. Und auch wenn ich weiß, dass dies (und ausspucken) in China zum guten Ton gehört, finde ich es unangenehm. Zum Glück beruht das auf Gegenseitigkeit, und wir haben viele Eigenschaften, die für einen Chinesen unangenehm oder zumindest absonderlich sind.

Mini durchleidet all diese Situationen. Besonders schlimm wird es, als ihr Onkel Minis Schwarm Bela mit einbezieht. Mini schämt sich eh schon wegen ihres Pickels, ihrer Klamotten, und überhaupt, und dann muss Bela auch noch das Essen mit Wu, Bao und Ling einnehmen. Eine Katastrophe, zumindest in Minis Augen.
Sie fürchtet, dass dies alles Bela endgültig vertreiben wird, zumal sie vermutet, dass er nicht aus einem derart ärmlichen Elternhaus kommt wie sie.

Es hat mir großen Spaß gemacht, auf diese leichte und humorvolle Weise einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, und wie Mini habe auch ich eine Menge Stoff zum nachdenken bekommen.

Ein sehr vergnügliches Buch mit Biss das man unbedingt lesen sollte.

 

 

 

 

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