Rezension: Gordana Kuic – Die Legende der Luna Levi

Gordana Kuic: Die Legende der Luna Levi; Mirjana und Klaus Wittmann (Übersetzer) Hollitzer; Hardcover; 420S., €24,40
Gordana Kuic: Die Legende der Luna Levi; Mirjana und Klaus Wittmann (Übersetzer) Hollitzer; Hardcover; 420S., €24,40

 

Inhalt:

Die Jüdin Blanca Sálom gehört zu den letzten, die während der spanischen Inquisition und Vertreibungswelle das Land verlassen um in der Türkei Aufnahme zu finden. Bei ihr befindet sich die bis vor kurzem rechte Hand des Großinquisitors, Juan García Galán de Olivares, der über Nacht beschließt, dass er eigentlich Jude ist. Er reist unter dem Namen Solomon ben Israel ben Sálom mit Blanca in dei Türkei. Dort werden sie beim Rabbi der jüdischen Gemeinde Galatas aufgenommen. Solomon macht schnell Karriere, war er doch vorher schon ein Ausbund an Gelehrsamkeit.
Für die beiden und ihre vier Kinder läuft alles rund, geht auch die Welt um sie herum mehrmals unter.

Meine Meinung:

Um es vorwegzunehmen: auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, es geht nur am Rande um Luna. Inwiefern sie das im Klappentext erwähnte Schicksal der sephardischen Juden mit beeinflusst bleibt völlig offen.
Auch an der dort erwähnten reichen Kultur der sephardischen Juden lässt uns die Autorin nicht wirklich teilhaben, dem Glossar am Ende des Buches kann man da wesentlich mehr entnehmen als dem Buch selbst.

Die Charaktere bleiben einem fremd, von daher kann man auch nicht mit ihnen fühlen. Dafür werden die Klischees sehr schön bedient: der Hafenschreiber Torona ist nicht nur ein Dieb und Halsabschneider mit einem extrem schlechten Charakter, natürlich ist er auch ein Ausbund an Hässlichkeit, während Blanca, die fast heilig wirkt, natürlich wunderschön ist, und auch der reumütige Juan hat alle wunderbaren Attribute die ein Mann haben kann. Das zieht sich durch das ganze Buch: alle ‚guten‘ Menschen sind auch schön, alle anderen sind entweder mittelmäßig oder gar hässlich.

Dem eigentlichen Roman, nämlich der Geschichte Blancas und ihrer Familie wird ein relativ geringer teil des Buches zugestanden, und wenn dann mal was durchblitzt ist es so fantastisch und unglaubwürdig, dass man überlegt, ob man darauf nicht hätte verzichten können. Andererseits bliebe dann lediglich eine Art Geschichtsbuch übrig, und kein besonders interessant geschriebenes, da man mit einer Aneinanderreihung von Namen und Daten regelrecht erschlagen wird.
Aufgrund des Klappentextes hatte ich mir ein sehr interessantes Buch versprochen, aber keinen Geschichtsunterricht in Reinform, mit ein paar eingestreuten, fantastischen Begebnissen. Auch die Sprache reißt einen nicht mit: gerade am Anfang des Buches gibt es nicht nur sehr viele Fehler, sondern auch derart lange, verschachtelte Sätze, dass selbst ein geübter Leser den Faden verlieren kann und noch mal an den Anfang des Satzes zurückkehren muss, um herauszufinden, worauf das Ganze denn herauslaufen soll.
Ob das an der Übersetzung liegt vermag ich nicht zu sagen, da ich der serbischen Sprache des Originals nicht mächtig bin.

Fazit: wer drögen Geschichtsunterricht mag ist mit diesem Buch gut bedient, wer auf eine ansprechende, mitreißende Familiengeschichte hofft, sollte die Finger davon lassen.

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