Rezensionen schreiben

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Keine Montagsfrage, aber es interessiert mich trotzdem: worauf achtet ihr beim Verfassen und/oder lesen von Rezensionen?

 

Da ich mich oft an Leserunden beteilige, oder auch Hörbücher gegen Rezension anhöre, interessiert es mich, ob nur ich so kritisch bin, was Rezensionen anbelangt.

Ich habe an mich den Anspruch, fair zu sein und nicht zu spoilern (schönes neudeutsches Wort, das: spoilern).

In der Regel fasse ich den Inhalt mit eigenen Worten kurz zusammen, denn die Klappentexte der Bücher sind oft zu ausführlich, oder komplett irreführend. Bei dieser Zusammenfassung achte ich natürlich peinlich darauf, dass ich keine Details erwähne die dem zukünftigen Leser zuviel verraten. Dabei versuche ich aber auch, Interesse zu generieren.

Anschließend tue ich dann meine Meinung kund. Dabei versuche ich, zu erklären warum mir was gefallen oder auch nicht gefallen hat, und wie ich zu meiner abschließenden Bewertung komme.

Auch hier achte ich darauf, dass ich nichts Entscheidendes vom Inhalt vorwegnehme. Ich bemühe mich, ausführlich zu sein, und die Punkte zu erwähnen, die mir wichtig erscheinen. Außerdem sollte dieser Teil der Rezension entschieden länger sein als die Inhaltsangabe.

Auf leserunden und Literaturschock finde ich in der Regel aussagekräftige Rezensionen, aber dort wird auch großer Wert darauf gelegt.

Seit ca einem halben Jahr bin ich auch Mitglied der sogenannten ‚Lesejury‚ von Bastei Lübbe.

Deren Leserunden sind anders aufgebaut als bei den oben genannten Foren, aber auch hier wird erhofft, dass man am Ende einer Leserunde eine Rezension zu dem entsprechenden Buch schreibt.

Heute war es soweit. Die Leserunde war beendet, und ich ging, um meine Rezension einzustellen, was vor mir schon diverse andere Mitleserinnen getan hatten. Natürlich war ich neugierig, also las ich deren Rezensionen. Nun, da waren zum Teil ellenlange Nacherzählungen des Buches, die keine Frage offen ließen. Dafür beschränkte sich die eigentliche Rezension auf zwei bis drei kurze Sätze.

Und das war fast durch die Bank so. Zusätzlich kann man als Leser ausdrücken, ob einem die Rezension gefällt oder nicht gefällt. Wessen Rezension die meisten ‚gefällt mir‘ hat, bekommt ein Buch geschenkt, glaube ich.

Eigentlich war mir danach, die ganzen Rezensionen die voller Spoiler sind, negativ zu bewerten, aber ich habe es unterlassen.

Andere waren da nicht so zurückhaltend, aber zu meiner Überraschung war eine recht gelungene Rezension ohne Spoiler negativ bewertet worden, eine der Nacherzählungen mit Mangel an Meinung hingegen positiv. Da habe ich mich gefragt, was da los ist? Werden dort heimlich irgendwelche Grabenkämpfe ausgetragen? Dieser Eindruck drängte sich mir auf, aber vielleicht bin ich zu zynisch und zu anspruchsvoll?

Ich denke jedenfalls, dass Bastei Lübbe Missbrauch Tor und Tür öffnet, da es bestimmt Leute gibt, die alle anderen Rezensionen abwerten in der Hoffnung am Ende besser dazustehen und ein Buch zu gewinnen.

Wie steht ihr den dazu? Habt ihr gerne Nacherzählungen die keine Wünsche übrig lassen, oder lest ihr lieber, welche Stärken und Schwächen das Buch im Auge des jeweiligen Rezensenten hat?

Denn eins ist klar: egal, wiesehr ich mich um Neutralität und Sachlichkeit bemühe, meine Rezension eines Buches ist letztendlich immer subjektiv.

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Rezension: Andreas Brandhorst – Omni

Andreas Brandhorst: Omni; Piper; Broschur; 540 S., €15,00
Andreas Brandhorst: Omni; Piper; Broschur; 530 S., €15,00

Inhalt:

Da das Buch 530 Seiten umfasst, ist es einigermaßen schwierig den Inhalt zusammenzufassen, zumal unter der Prämisse, keine Spoiler zu schreiben.

Kurz gesagt: während Vinzent Forrester und seine Tochter Zinnober im Auftrag der mächtigen ‚Agentur‘ versuchen, ein lange Zeit verschollenes Artefakt an sich zu bringen, hat Aurelius, ein Vertreter Omnis, das selbe Ziel, nur, dass er das Artefakt nicht zu seinen Zwecken ausnutzen, sondern seiner ursprünglichen Bestimmung zuführen will. Natürlich sind diverse Organisationen hinter dem Artefakt her, heißt es doch, wer das Artefakt beherrscht, beherrscht die Welt — aber ist dem wirklich so? Eine atemberaubende Jagd beginnt. Wer wird der Sieger sein, und wie hoch ist der Preis?

 

Meine Meinung:

Konnte der Autor mich vor gut einem Jahr schon mit seinem preisgekrönten Roman Das Schiff  überzeugen, hat er mit Omni noch was draufgelegt. Omni ist ein richtiges Weltraumabenteuer, mit Krawumm, einer tollen Welt,  und einer Menge sehr gut durchdachter Ideen — auf gut Neudeutsch: es ist voll der Burner.

Wir treffen zuerst auf Aurelius, einen 10000 Jahre alten Menschen, der im Dienste Omnis steht.

Omni ist eine Supermacht die im Grunde handeln kann, wie sie will, da ihre Überlegenheit von allen im Universum anerkannt wird. Vermutlich liegt das daran, dass sie technisch extrem hoch entwickelt sind, und den Eindruck erwecken, als seien sie omniscient, omniferous und  omnipotent.   Ob der Name dieser Superzivilisationen deswegen ausgewählt wurde weiß ich nicht, ich vergaß zu fragen, aber der Autor wählt alle Namen mit Bedacht, darum liegt es für mich nahe.

Dann sind da noch Vinzent und Zinnober, ein Vater-Tochter-Duo, die auf der Schattenseite stehen. Vinz ist ein abgehalfterter Agent mit einer zwielichtigen Vergangenheit, seine Tochter Zinnober ein eigenwilliger Teenager der sich nichts gefallen lässt. Es gibt noch weitere Spieler, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Vinzent und Zinnober werden von Cassandra unterstützt, der KI (künstlichen Intelligenz) ihres Raumschiffes.

In Omni wird das gesamte Spektrum abgedeckt, das man aus der Science Fiktion kennt: tolle Technologien, atemberaubende Planeten, faszinierende Rassen mit zum Teil furchterregenden Eigenschaften;  Verfolgungsjagden, Kämpfe, Kulturen und Bräuche, und hinter all dem eine Philosophie, Gedankenspiele, Ethik- und Moralvorstellungen. Die Verknüpfung all dieser Elemente ist super gelungen, zum Teil liest sich das Buch wie ein Agententhriller, dann wieder gibt es leise Töne die einen nachdenklich machen. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Sprichwortes: Nomen est Omen drängt sich auf, und es lohnt sich, die Bedeutung einiger Namen nachzuschlagen.

Nehmen wir nur mal den Namen Aurelius: ist er der aus Gold gemachte, oder ist er angelehnt an Marc Aurel bzw. Marcus Aurelius, den römischen Kaiser und Philosophen, der der letzte bedeutende Vertreter der jüngeren Stoa war? Wenn man weiß, dass unser Wort ‚stoisch‚ direkt von Stoa abgeleitet ist, ist der Zusammenhang eindeutig — oder doch nicht?

Für dieses Buch sollte man sich Zeit nehmen. Es ist spannend genug dass man es in einem Rutsch durchlesen könnte — wäre da nicht der Umfang von 530 Seiten. Es gibt aber so viele wichtige Details  und Ideen, dass man sich Zeit nehmen sollte.

Ich hatte das Glück, das Buch in einer Autoren-begleiteten Leserunde lesen und diskutieren zu dürfen, wovon mein Verständnis des Buches sehr profitiert hat. Da jeder eine andere Wahrnehmung hat, und man aufgrund der Fülle der Informationen natürlich nicht jede Nuance gleich gewichtet, ist der Austausch mit MitleserInnen ein großes Plus. Aber auch wer allein liest wird nicht enttäuscht werden, es ist auf jeden Fall für alle Geschmäcker was dabei und mehr.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Abschließend möchte ich mich beim Piper Verlag bedanken, der mir zu meiner großen Überraschung und Freude ungefragt ein Rezensionsexemplar zuschickte, bei Leserunden für die Organisation und Durchführung dieser ausführlichen Leserunde, und natürlich beim Autor, der uns geduldig durch die Leserunde begleitete und das Buch mit uns diskutierte.

 

Rezension: Caroline Rath – Das Erbe der Wintersteins

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Caroline Rath: Das Erbe der Wintersteins;
Bastei Lübbe; ebook (ca 265S.); €6,99
Inhalt:
Celine hat die Aufgabe die alte Villa Winterstein so herzurichten, dass sie gewinnbringend verkauft werden kann, denn dem Familienunternehmen geht es finanziell schlecht.
Bei Aufräumarbeiten in der Villa stößt sie auf das Tagebuch ihrer Urgroßmutter, mit der sie sich im Laufe der Geschichte immer verbundener fühlt.Claire Winterstein ist ein Findelkind, die trotz einer harten Kindheit und Jugend etwas aus sich macht. Natürlich schafft sie das nicht alleine, aber der Zufall will es, dass sie einen Gönner hat, und ihr das Schicksal schlussendlich gewogen ist.Sowohl Celine als auch Claire müssen allerlei Gefahren durchstehen, bevor sich am Ende alles verquickt und auflöst.

Meine Meinung:

Es ist gar nicht einfach, diese Bewertung in Sternen auszudrücken. Das Buch ist flüssig geschrieben und liest sich gut. Es ist spannend und interessant. Von daher hätte es sicher einen Stern mehr verdient.
Es gibt aber ziemlich viele Dinge, die mich gestört haben. Da ist zum Beispiel Celine: eine Frau die beruflich gefestigt ist, und eigentlich auch nicht dumm. Trotzdem hat sie nichts anderes im Sinn, als sich heiraten zu lassen. Sie ist so verzweifelt, dass sie den erstbesten akzeptiert, der sich für sie interessiert. Die biologische Uhr kann es nicht sein, denn von Kinderwunsch ist nicht die Rede. Dazu braucht man ja auch nicht zu heiraten.

Dann ist da Claire: ein armes Findelkind, die eine sehr schwere Kindheit und Jugend hat, es aber irgendwie schafft, die Familiendynastie zu begründen.

Erfahren wir Details aus ihrer Kindheit und Jugend, so ist da mit einem mal ein Schnitt.
Irgendwie ist es unbefriedigend.

Derweil stolpert Celine sehenden Auges von einer hirnrissigen Aktion in die nächste, was mich absolut nicht überzeugt hat; zudem sind gewisse Entwicklungen einfach zu vorhersehbar.

Überhaupt ist das Frauenbild hier absolut negativ, wenngleich ich überzeugt bin, dass das von der Autorin nicht beabsichtigt ist.

Wir haben hier Frauen die jeweils ein Klischee verkörpern:

1. Die Unschuld, die es vom Tellerwäscher zum Millionär schafft.

2. Die Getriebene, die um eines Vorteiles willen alles verrät.

3. Die Oberflächliche, die sich nur für ihr Aussehen und ihre Markenklamotten interessiert.

4. Die Verzweifelte, die spirituelle Anwandlungen hat und außerdem unbedingt heiraten will.

5. Die Habgierige, Ungerechte, die sich auf Kosten anderer bereichert, dabei natürlich total bigott ist.

Kommen also die Männer besser weg? Nicht wirklich. Auch hier haben wir diverse Kategorien:

1. Den knallharten Geschäftsmann der um seinen Besitz kämpfen muss

2. Den Sunnyboy und Lebemann, der aber eigentlich ganz süß ist

3. Den durchtrieben Verbrecher, den Bösewicht, der allen Mitmenschen das Leben schwer macht.

4. Den Retter in der Not.

5. Den Mäzen.

Von den klischeehaften Charakteren mal abgesehen fehlte mir etwas in der Geschichte. Die Ansätze, besonders in den Abschnitten die Claire betreffen, sind gut, ich hätte aber gerne mehr gehabt.
Der Prolog ist gut gewählt, er zieht den Leser rein. Es wird schon direkt sehr viel Spannung aufgebaut und Neugierde generiert, aber ich habe das Gefühl, dass mir die Antwort schuldig geblieben wurde. Auch konnte ich mit keinem der Charaktere einen wirklichen Rapport bilden, dazu waren sie zu klischeehaft.

Es war aber natürlich nicht als wissenschaftliche Studie gedacht, und für die Form ist es insgesamt recht gut gelungen, die Spannung wurde mühelos bis zum Ende gehalten.

Bei einem differenzierteren System wären es vier Sterne für Sprache und Stil, und jeweils drei für Plot und Charaktere, was einen Durchschnitt von 3,3 ergibt.

Abschließend möchte ich mich bei Bastei Lübbe für die Leserunde und das Zurverfügungstellen des Rezensionsexemplars bedanken.

Rezension: Mascha Vassena – Das Mitternachtsversprechen

Mascha Vassena: Das Mitternachtsversprechen; Piper; ebook:320 S.; €8,99
Mascha Vassena: Das Mitternachtsversprechen; Piper; ebook:320 S.; €8,99

Familiengeschichte mit Twist

Inhalt:

Die Journalistin Vera reist nach Turin, um ihre Großtante zu interviewen für eine Reportage über Frauen, die nach dem zweiten Weltkrieg ungewöhnliche Berufe ergriffen  und ihren Weg in einer von Männern geprägten Welt gemacht haben, so wie einst ihre Großmutter.

Während sie zu Hause alte Dokumente sichtet, entdeckt Vera, deren Zwillingsschwester spurlos verschwand als sie Kinder waren, dass es noch eine dritte Schwester gegeben hatte, deren Existenz totgeschwiegen wurde, und von der auch ihre Mutter nicht wusste.

Das ist ein zusätzlicher Anreiz, und so macht sie sich auf den Weg nach Turin, um Antworten zu erhalten, aber sie stößt auf eine Mauer des Schweigens.  Weiterlesen