Rezension: Mascha Vassena – Das Mitternachtsversprechen

Mascha Vassena: Das Mitternachtsversprechen; Piper; ebook:320 S.; €8,99
Mascha Vassena: Das Mitternachtsversprechen; Piper; ebook:320 S.; €8,99

Familiengeschichte mit Twist

Inhalt:

Die Journalistin Vera reist nach Turin, um ihre Großtante zu interviewen für eine Reportage über Frauen, die nach dem zweiten Weltkrieg ungewöhnliche Berufe ergriffen  und ihren Weg in einer von Männern geprägten Welt gemacht haben, so wie einst ihre Großmutter.

Während sie zu Hause alte Dokumente sichtet, entdeckt Vera, deren Zwillingsschwester spurlos verschwand als sie Kinder waren, dass es noch eine dritte Schwester gegeben hatte, deren Existenz totgeschwiegen wurde, und von der auch ihre Mutter nicht wusste.

Das ist ein zusätzlicher Anreiz, und so macht sie sich auf den Weg nach Turin, um Antworten zu erhalten, aber sie stößt auf eine Mauer des Schweigens. 

Meine Meinung:

 

Mit ihrem Roman: Das Mitternachtsversprechen ist es Mascha Vassena gelungen, einen spannenden Familienroman zu schreiben, der mehr als 70 Jahre überbrückt.

Der Stil ist leicht und flüssig, und man wird sofort in die Geschichte reingesogen, startet diese doch mit dem plötzlichen Verschwinden Veras Zwillingsschwester, und Veras daraus resultierendem Trauma das sie auch nach all diesen Jahren voll im Griff hat. Obwohl sie versucht, dagegen anzukämpfen, gelingt ihr das nur bedingt, denn sie ist überfürsorglich mit ihrem eigenen, 11-jährigen Sohn, den sie quasi permanent überwacht, und der nur bei ihrem geschiedenen Mann Freiheiten hat.

Vera wundert sich über die Parallelen: Aurora, die dritte Schwester, verschwand spurlos, und ihr Verschwinden wurde nie aufgeklärt, genau wie das Verschwinden von Veras Schwester. Könnte eine oder gar beide noch am Leben sein?

Vera ist entschlossen, zumindest Licht in das Dunkel der ‚dritten‘ Schwester zu bringen, aber ihre Großtante Lidia ist äußerst zugeknöpft und erzählt ihr kaum etwas.

In dem Roman gibt es drei Erzählstränge: Die Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg; die Zeit um und nach Violas Verschwinden; und die Jetzt-Zeit. Diese Erzählstränge sind durch einen Wechsel im Schriftsatz nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch gut voneinander zu unterscheiden, was ich als sehr angenehm empfand.

Die Perspektiven wechseln, so dass wir nach und nach in die Geschichte eingeführt werden, wobei der Leser immer ein bisschen mehr weiß als Vera. Trotzdem ist es absolut nicht vorhersehbar, und die Auflösung ist sowohl überraschend, als auch gelungen.

Gefallen hat mir vor allem der Teil in den 1940er Jahren, der uns mit den Problemen konfrontiert die drei junge Frauen, Vollwaisen noch dazu, und ein kleiner Junge, um den sich niemand so richtig kümmern kann — zumindest, was seine emotionalen Bedürfnisse angeht, in dieer Zeit des politischen Umbruchs. Wer mehr darüber wissen möchte, kann den Artikel über Laura Polizzi lesen, der einen sehr guten Einblick gewährt.

Auch im Buch bekommt man definitiv einen Eindruck vom damaligen Leben, wenngleich es nicht direkt gesagt wird, aber es kommt deutlich rüber.

 

Wer also ein bisschen Mystery gemixt mit Familiengeschichte und Zeitgeschichte mag, kann mit diesem Roman nichts falsch machen. Ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen; Stil, Plot, Charaktere: alles stimmt.

Abschließend möchte ich mich bei Leserunden.de bedanken für die Organisation und Durchführung, sowie  bei  Mascha Vassena für die Begleitung der Leserunde.

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