Fräuleinwunder – Stephanie von Wolff

Rezension:

Das Buch fing vielversprechend an, konnte dann meine Erwartung doch nicht erfüllen.

Die Charaktere sind sehr schwarz-weiß gezeichnet und bleiben zweidimensional.
Das bisschen was sie an Entwicklung durchmachen geht von 0 auf 100 in wenigen Sekunden….

Mich fasziniert die Zeit der 1950er Jahre, aber meiner Meinung nach wird diese nur teilweise eingefangen.
Von der Atmosphäre so kurz nach dem zweiten Weltkrieg bekommt man kaum etwas mit, außer, dass mitunter Altnazis erwähnt werden die wieder in hohen Posten sind.
Wir erleben die Anfänge des deutschen Fernsehens und die damaligen räumlichen und technischen Schwierigkeiten mit denen man zu kämpfen hatte, aber für unsere Hauptperson läuft alles glatt.

Eigentlich hat mich auch Hamburg als Setting fasziniert, aber auch hier wurde eine Chance vertan, und es blieb alles an der Oberfläche.
Das Milieu und der Kiez werden sehr verklärt romantisiert, was ich so mal infrage stellen würde.
Die Erwähnung einiger realen Personen war ganz nett, aber ihre Aktionen im Roman konnten mich nicht überzeugen.

Der Schreibstil ist flüssig, so dass sich das Buch trotz seiner Seichtheit zügig weg gelesen hat.

Advertisement

Julia Fischer — Der Salon

Julia Fischer: Der Salon, Bastei Lübbe 25.02.2022

Diese Buch ist großartig! Julia Fischer hat intensiv recherchiert und dabei keine Mühen gescheut — und man merkt es! Das Buch ist absolut stimmig und vermittelt einen großartigen Eindruck von der Zeit kurz bevor es mit dem Wirtschaftswunder so richtig losging.
Die ProtagonistInnen sind junge Leute die den Krieg zwar körperlich unversehrt überlebt haben, aber dennoch haben sie Schaden genommen. Jede/r versucht auf seine/ihre Art damit umzugehen, was mal besser, und mal schlechter gelingt.
Die ganzen Hindernisse, die ein junger, ehrgeiziger Mensch damals zu überwinden hatte werden detailgetreu dargestellt, und besonders junge Frauen hatten es schwer, war die Welt damals doch noch viel mehr Männerdominiert als sie es heutzutage ist.
Hinzu kommen noch die Gegensätze von Großstadt–Land, und Arbeiter — Akademikermilieu, und Spannung ist garantiert.
Ich hatte mir viel von diesem Buch erhofft und ich wurde nicht enttäuscht — im Gegenteil, dieses Buch ist einfach unbeschreiblich! Ich würde diese Lektüre jeder/m empfehlen, die/der auch nur ein bisschen an unserer jüngeren Geschichte interessiert ist!
Das Bild das Frau Fischer malt ist inklusiv und abgerundet.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!