Andreas Eschbach: Freiheitsgeld – Rezension

Freiheitsgeld, Lübbe, ISBN
9783785728123, 528 S,

Worum geht es?

In nicht allzu ferner Zukunft (2064) beziehen die Menschen Freiheitsgeld — ein bedingungsloses Grundeinkommen das jedem Bürger eines Landes zusteht. Die meiste Arbeit wird von Robotern verrichtet; die Menschen leben eingepfercht in Städten, große Naturschutzreservate zum Erhalt der Erde dürfen nicht betreten werden.

Kurz vor dem 30jährigen Jubiläum der Einführung des Freiheitsgeldes wird dessen Schöpfer tot aufgefunden. Ahmad Müller, ein junger, eifriger Polizist glaubt nicht an einen Suizid und fängt an zu ermitteln. Plötzlich wird es brisant, er läuft Gefahr, für einen Mord angeklagt zu werden.

Meine Meinung:

Die Idee des ‘Freiheitsgeldes’ (aka bedingungsloses Grundeinkommen) die Eschbach hier aufgreift ist nicht neu. In verschiedenen Ansätzen gibt es sie schon seit Jahrhunderten. In Deutschland läuft derzeit seit 2020 eine Studie dazu, deren erste Auswertungen im Frühjahr 2023 erwartet werden.

Interessant ist, was Eschbach daraus macht. Er beleuchtet das Freiheitsgeld aus verschiedenen Perspektiven, bringt allerdings eine erschwerende Variante ein: die meiste Arbeit wird von Robotern gemacht; wer also mehr haben will als nur das Freiheitsgeld, muss versuchen, einen der raren Arbeitsplätze zu ergattern.

Einigen der Protagonisten ist das gelungen, sie kommen aber trotzdem nicht auf einen grünen Zweig, denn ein Großteil ihres Verdienstes geht durch Steuern verloren.

Im Grunde geht es im Buch nur um das Pro und Kontra des Freiheitsgeldes, auf dessen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen, und darum, ob man nicht ohne besser dran war oder wäre, würde es wieder abgeschafft. Wie viel Freiheit haben die Leute wirklich, und wer profitiert letztendlich am meisten davon?

Wir lernen die unterschiedlichsten ProtagonistInnen kennen; einige leben nur vom Freiheitsgeld, andere haben zusätzlich Arbeit, und die ganz glücklichen leben gar in Luxus — aber alles hat seinen Preis…

Ahmad Müller, ein junger Polizist mit wenig Erfahrung in der Abteilung Gewaltverbrechen, versucht, diverse Morde aufzuklären.

Dabei wird er von irgendeiner hohen Stelle enorm behindert. Die Entwicklung, die alles nimmt ist sehr beklemmend. Die Bürger leben in einem totalen Überwachungsstaat und müssen sehr findig sein, um der Überwachung zu entkommen.

Ich würde zu viel verraten, würde ich erzählen wie es Ahmad ergeht, oder ob das Ende dem nahekommt, was ich mir erhofft hätte.

Fakt ist, dass ich das Ende gelungen und überzeugend finde. Eine Lösung für oder wider das Freiheitsgeld wird glücklicherweise nicht angeboten, aber das Buch gibt viele Denkanstöße, und wer weiß, vielleicht werden wir ja eine Form des Freiheitsgeldes noch erleben.

Erstaunlicherweise fand ich dieses Buch nicht so beklemmend wie Eschbachs NSA — vielleicht bin ich durch Beispiele von Überwachungsstaaten wie China oder die ehemalige DDR einfach schon zu vertraut mit diesem Thema als dass es unvorstellbar wäre.

Trotz der ganzen Theorien ist das Buch sehr spannend, ich kann es nur empfehlen.

Vielen Dank an Lübbe via Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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