Rezension: Martin Krist – Brandstifter

Martin Krist: Brandstifter, Edel Verlag, ebook, 412 S., 6,99€

 

Dies war ein freies Rezensionsexemplar, zur Verfügung gestellt vom Edel Verlag. Vielen Dank dafür.

Inhalt:
Valentina findet ihren Mann bestialisch ermordet vor. Sie will natürlich nur noch raus aus dem Haus, der Grunewaldvilla, und landet bei ihrer besten Freundin Amy. Doch dort kann sie nicht lange bleiben, und da sie kein Barvermögen hat, landet sie schließlich in der winzigen Wohnung ihres Kindermädchens, doch das ist nicht so sicher, wie es scheint.
Derweil verfolgt Privatermittler David Gross diverse Spuren um einen Brand mit Todesfolge sowie das Verschwinden eines Geschäftsmannes aufzuklären. Schnell werden die Ermittlungen gefährlich für ihn, denn die Täter sind skrupellos.

Meine Meinung:

Die Charaktere kamen mir nicht wirklich glaubwürdig vor, und es gab einige Dinge, die für mich nicht schlüssig waren. Eine wirkliche Entwicklung der Protagonisten ist auch nicht zu erkennen, aber da das Buch als Anfang einer Serie angelegt ist, mag das noch kommen. Das ist aber genau der Punkt, wo mich das Buch nicht zufriedenstellt. Das Ende ist sehr abrupt, ich weiß von Anderen, dass auch sie dachten, da fehlte noch etwas, und die ebook-Ausgabe wäre nicht vollständig.
Der Autor hält dagegen, dass er die eigentlichen Fälle zu einem schlüssigen Ende geführt hat — was auch stimmt. Trotzdem wirkt das Buch auf mich unvollendet, mit der Frage: „Das war’s?“

Da sind einfach noch zu viele lose Enden, was natürlich nach einer Fortsetzung schreit. Ich persönlich bin aber überhaupt kein Fan von Buchserien, wo man den einen Band nicht verstehen kann, ohne alle anderen gelesen zu haben, und ich habe das Gefühl, dass das in dieser Serie so laufen wird.
Natürlich ist das völlig legitim, aber ich mag das gar nicht, weswegen ich da immer von vornherein einen Punkt abziehe.
Da mich dieses Buch — auch mit der Aussicht auf Folgebände — nicht total überzeugen konnte, habe ich einen weiteren Punkt abgezogen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass das allein an mir liegt, denn irgendwie hatte ich einen Thriller à la ‚Trieb‘ erwartet, und was ich vor mir hatte, war ein Thriller der sich nicht von anderen Büchern dieses Genres abhebt.

Wer Thriller mag, ist mit dem vorliegenden Buch sicher trotz allem gut beraten, nur meine Erwartungen hat er nicht erfüllt.

Rezension: Ulrike Renk – Das Lied der Störche

 

Ulrike Renk: Das Lied der Störche; Audible; Sprecherin: Yara Blümel; 16Std 21 Min; 24,95 €

Inhalt:
Diese Rezension bezieht sich auf das (ungekürzte) Hörbuch.

Die Familie von Fennhusen hat offensichtlich Glück gehabt: ihnen mangelt es an nichts.
Frederike, die älteste Tochter von Stefanie, welche in dritter Ehe mit Eric von Fennhusen verheiratet ist, verbringt ihre Kindheit auf dem Gut ihres Stiefonkels. Da sie weder Erbe noch Mitgift zu erwarten hat, drängt ihre Mutter sie, sich mit einer guten Partie zu verbinden. Doch ein Geheimnis umgibt den Mann den die Mutter ausgewählt hat.
Wird Frederike mit ihm ihr Glück finden?

Meine Meinung:
Die Geschichte an sich hat mir ganz gut gefallen, gibt sie doch Einblicke in das Leben auf einem Gutshof in Ostpreußen zur Zeit zwischen den Weltkriegen. Man erfährt ein paar historische Tatsachen, zum Beispiel über den polnischen Korridor. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, und wird aus Frederikes Sicht geschildert. Das Buch ist flüssig geschrieben, hat aber recht überflüssige Wiederholungen; und diese Menschen können nicht lachen oder lächeln, sie grinsen nur — und das gefühlt in jedem zweiten Satz. Vor meinem inneren Auge tauchte ständig jemand auf, der mir alle seine Zähne zeigt, wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland. Ich bin da pingelig, es hat mich genervt.

Ich finde es also von Sprache und Stil her nicht so ganz gelungen, aber der Inhalt ist nett.
Nichts aufregendes, sieht man mal vom Verhalten Frederikes Mutter ab, das einen auf die Palme bringt, auch unter Berücksichtigung der damaligen Zeit.
Frederike verschläft die ‚Goldenen 20er‘ in ihrem Provinznest und hat praktisch keine Lebenserfahrung. Sie ist arbeitsam und steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, aber das kommt ihr zugute, wird sie doch dazu ausgebildet, später mal ein Gut zu führen.

Yara Blümel hat es ganz nett vorgelesen, aber eine Sprecherin die den ostpreußischen Dialekt ein bisschen gekonnter rübergebracht hätte, wäre sicher nicht verkehrt gewesen.

Auf den zweiten Band darf man gespannt sein, denn die Geschichte geht weiter.

Rezension: Alana Falk – Das Herz der Quelle (Sternensturm)

Alana Falk: Sternensturm - Das Herz der Quelle; Arena, epub, 308 S., €13,99
Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle; Arena, epub, 308 S., €13,99

Inhalt:

Wir befinden uns überwiegend in Auckland, Neuseeland, das von Vulkanausbrüchen bedroht wird. Nur die Magier und ihre Quellen können die Naturkatastrophen aufhalten, aber es gibt viel zu wenige Magier.
Liliana ist eine angehende Magierin, und sie, sowie alle anderen jungen AnwärterInnen werden ins kalte Wasser geworfen um eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes zu verhindern, denn die erfahrenen MagierInnen sind zu Einsätzen anderswo. Weiterlesen

Rezension: Sabine Weiss – Die Tochter des Fechtmeisters

Sabine Weiß: Die Tochter des Fechtmeisters; Bastei Lübbe; Taschenbuch, 703 S., € 11,00
Sabine Weiß: Die Tochter des Fechtmeisters; Bastei Lübbe; Taschenbuch, 703 S., € 11,00

Inhalt:

In dem Roman: Die Tochter des Fechtmeisters, geht es unter anderem um die verschiedenen Fechtbruderschaften im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, und um die Glaubensstreitigkeiten während der Herrschaft Kaiser Rudolph II.

Der Weg der Protagonisten führt von Rostock nach Frankfurt und Prag, wo es zum ‚Showdown‘ kommt.

Clarissa ist die Tochter eines bekannten und geachteten Fechtmeisters. Da sie das einzige Kind ist, hat sie frühzeitig fechten gelernt. Damals wurde noch überwiegend mit dem Schwert gefochten, das leichtere Rapier kam erst später auf.

Clarissa muss sich ihrer Haut erwehren als ihr Vater ermordet wird. Sie macht das ganz gut, hat aber auch Hilfe auf ihrem weiteren Weg, der sie letztendlich nach Prag führt, denn sie muss versuchen, den Mord an ihrem Vater aufzuklären. Die Situation ist überall im Reich bedrohlich, denn es ist eine religiöse Verschwörung im Gange, und Clarissa und ihre Freunde sind mittendrin.

Meine Meinung:

Sabine Weiß ist ein großartiger historischer Roman gelungen. Es gelingt ihr meisterlich, die verworrenen politischen und religiösen Verhältnisse der Zeit aufzudröseln und in eine spannende Geschichte einzubinden. So entsteht ein plastisches Bild der Verhältnisse im heiligen römischen Reich des beginnenden 17. Jahrhunderts. Die Charaktere sind durchweg facettenreich, und sie machen eine Entwicklung durch. Natürlich entstehen dabei ein paar Längen, aber ich empfand sie nicht als störend, einzig die ganzen Fechtbegriffe habe ich überflogen, mit denen konnte ich nichts anfangen, aber für jemand, der sich mit der Materie auskennt, steigern sie vermutlich die Authentizität. Die Sprache ist gut, der Schreibstil flüssig. Es gibt ein paar Nebenstränge, wo ich denke, die Autorin ist ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen, und die mich nicht überzeugen konnten, aber insgesamt liegt mit ‚Die Tochter des Fechtmeisters‘ ein Roman vor, der dem Genre ‚Historischer Roman‘ alle Ehre macht, und mir eine Zeit nahe gebracht hat, mit der ich mich vorher nicht wirklich beschäftigt hatte.

Ich kann diesen Roman jedem Liebhaber des Genres sehr empfehlen, und auch wenn man nicht unbedingt ein Freund historischer Romane ist, dürfte man seine Freude daran haben.

Vielen Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Manuskriptes, und an Sabine Weiß für die Begleitung der Leserunde.

Rezension: Yrsa Sigurðardóttir – DNA

 Yrsa Sigurðardóttir: DNA; Anika Wolff (Übersetzer); btb; ebook 480 S.; €14,99
Yrsa Sigurðardóttir: DNA; Anika Wolff (Übersetzer); btb; ebook 480 S.; €14,99

 

Inhalt:

In Island werden zwei Frauen brutal ermordet. Alles deutet darauf hin, dass es sich um den selben Täter handelt, aber die Opfer scheinen in keinem Zusammenhang zu stehen.

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Kommissar Huldar muss mit der Psychologin Freyja zusammenarbeiten, die sich um die Tochter eines der Opfer kümmert, die siebenjährige  Margrét, die einiges aussagen könnte…

Huldar und Freyja haben nach einer gemeinsam verbrachten Nacht, in der Huldar seine Identität verschwieg, ein angespanntes Verhältnis. Überhaupt hat Huldar ein ziemlich merkwürdiges Verhältnis zu Frauen, und dass dies sein erster großer Fall in eigener Regie ist, hilft auch nicht wirklich.

Meine Meinung:

Nach langer Zeit mal wieder ein Thriller der zu lesen lohnte. Sehr spannend, total unvorhersehbar, dennoch toll aufgelöst.

Dies ist der Beginn einer Serie, und ich könnte mir vorstellen, auch zukünftige Folgen zu lesen.

Der Kommissar macht zwar einen etwas verpeilten Eindruck, war zum Teil auch etwas schnell mit Verdächtigungen und Anschuldigungen dabei, ist absolut kein Überflieger, und auch nicht super sympathisch, wenn man sich seine Frauengeschichten anguckt. Trotzdem scheint er solide zu sein, und sich bessern zu wollen. Na, mal sehen.
Überhaupt sind alle Charaktere gut ausgearbeitet, keiner bleibt blass. Der Schreibstil ist flüssig (zumindest in der Übersetzung), und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Die Spannung wird die ganze Zeit über gehalten, obwohl man zwischendurch verzweifeln möchte, weil alles so undurchsichtig ist und man nicht den Schimmer einer Ahnung hat, was die Motivation des Killers ist, und wer wohl sein nächstes Opfer sein wird.
Natürlich gibt es Spuren, aber ich persönlich war bis zum Schluss auf der völlig falschen Fährte, ich wusste jedenfalls nur wer es ganz bestimmt nicht war.
Netterweise erspart uns die Autorin auch blutige Details, obwohl wir die Mordmethoden erfahren. Es bleibt aber dem Leser überlassen, ob er sich das im Detail ausmalen möchte oder nicht.

Absolut lesenswert für alle Thrillerfans.

 

Herzlichen Dank an btb für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Rezensionen schreiben

rezi

 

Keine Montagsfrage, aber es interessiert mich trotzdem: worauf achtet ihr beim Verfassen und/oder lesen von Rezensionen?

 

Da ich mich oft an Leserunden beteilige, oder auch Hörbücher gegen Rezension anhöre, interessiert es mich, ob nur ich so kritisch bin, was Rezensionen anbelangt.

Ich habe an mich den Anspruch, fair zu sein und nicht zu spoilern (schönes neudeutsches Wort, das: spoilern).

In der Regel fasse ich den Inhalt mit eigenen Worten kurz zusammen, denn die Klappentexte der Bücher sind oft zu ausführlich, oder komplett irreführend. Bei dieser Zusammenfassung achte ich natürlich peinlich darauf, dass ich keine Details erwähne die dem zukünftigen Leser zuviel verraten. Dabei versuche ich aber auch, Interesse zu generieren.

Anschließend tue ich dann meine Meinung kund. Dabei versuche ich, zu erklären warum mir was gefallen oder auch nicht gefallen hat, und wie ich zu meiner abschließenden Bewertung komme.

Auch hier achte ich darauf, dass ich nichts Entscheidendes vom Inhalt vorwegnehme. Ich bemühe mich, ausführlich zu sein, und die Punkte zu erwähnen, die mir wichtig erscheinen. Außerdem sollte dieser Teil der Rezension entschieden länger sein als die Inhaltsangabe.

Auf leserunden und Literaturschock finde ich in der Regel aussagekräftige Rezensionen, aber dort wird auch großer Wert darauf gelegt.

Seit ca einem halben Jahr bin ich auch Mitglied der sogenannten ‚Lesejury‚ von Bastei Lübbe.

Deren Leserunden sind anders aufgebaut als bei den oben genannten Foren, aber auch hier wird erhofft, dass man am Ende einer Leserunde eine Rezension zu dem entsprechenden Buch schreibt.

Heute war es soweit. Die Leserunde war beendet, und ich ging, um meine Rezension einzustellen, was vor mir schon diverse andere Mitleserinnen getan hatten. Natürlich war ich neugierig, also las ich deren Rezensionen. Nun, da waren zum Teil ellenlange Nacherzählungen des Buches, die keine Frage offen ließen. Dafür beschränkte sich die eigentliche Rezension auf zwei bis drei kurze Sätze.

Und das war fast durch die Bank so. Zusätzlich kann man als Leser ausdrücken, ob einem die Rezension gefällt oder nicht gefällt. Wessen Rezension die meisten ‚gefällt mir‘ hat, bekommt ein Buch geschenkt, glaube ich.

Eigentlich war mir danach, die ganzen Rezensionen die voller Spoiler sind, negativ zu bewerten, aber ich habe es unterlassen.

Andere waren da nicht so zurückhaltend, aber zu meiner Überraschung war eine recht gelungene Rezension ohne Spoiler negativ bewertet worden, eine der Nacherzählungen mit Mangel an Meinung hingegen positiv. Da habe ich mich gefragt, was da los ist? Werden dort heimlich irgendwelche Grabenkämpfe ausgetragen? Dieser Eindruck drängte sich mir auf, aber vielleicht bin ich zu zynisch und zu anspruchsvoll?

Ich denke jedenfalls, dass Bastei Lübbe Missbrauch Tor und Tür öffnet, da es bestimmt Leute gibt, die alle anderen Rezensionen abwerten in der Hoffnung am Ende besser dazustehen und ein Buch zu gewinnen.

Wie steht ihr den dazu? Habt ihr gerne Nacherzählungen die keine Wünsche übrig lassen, oder lest ihr lieber, welche Stärken und Schwächen das Buch im Auge des jeweiligen Rezensenten hat?

Denn eins ist klar: egal, wiesehr ich mich um Neutralität und Sachlichkeit bemühe, meine Rezension eines Buches ist letztendlich immer subjektiv.

Rezension: Andreas Brandhorst – Omni

Andreas Brandhorst: Omni; Piper; Broschur; 540 S., €15,00
Andreas Brandhorst: Omni; Piper; Broschur; 530 S., €15,00

Inhalt:

Da das Buch 530 Seiten umfasst, ist es einigermaßen schwierig den Inhalt zusammenzufassen, zumal unter der Prämisse, keine Spoiler zu schreiben.

Kurz gesagt: während Vinzent Forrester und seine Tochter Zinnober im Auftrag der mächtigen ‚Agentur‘ versuchen, ein lange Zeit verschollenes Artefakt an sich zu bringen, hat Aurelius, ein Vertreter Omnis, das selbe Ziel, nur, dass er das Artefakt nicht zu seinen Zwecken ausnutzen, sondern seiner ursprünglichen Bestimmung zuführen will. Natürlich sind diverse Organisationen hinter dem Artefakt her, heißt es doch, wer das Artefakt beherrscht, beherrscht die Welt — aber ist dem wirklich so? Eine atemberaubende Jagd beginnt. Wer wird der Sieger sein, und wie hoch ist der Preis?

 

Meine Meinung:

Konnte der Autor mich vor gut einem Jahr schon mit seinem preisgekrönten Roman Das Schiff  überzeugen, hat er mit Omni noch was draufgelegt. Omni ist ein richtiges Weltraumabenteuer, mit Krawumm, einer tollen Welt,  und einer Menge sehr gut durchdachter Ideen — auf gut Neudeutsch: es ist voll der Burner.

Wir treffen zuerst auf Aurelius, einen 10000 Jahre alten Menschen, der im Dienste Omnis steht.

Omni ist eine Supermacht die im Grunde handeln kann, wie sie will, da ihre Überlegenheit von allen im Universum anerkannt wird. Vermutlich liegt das daran, dass sie technisch extrem hoch entwickelt sind, und den Eindruck erwecken, als seien sie omniscient, omniferous und  omnipotent.   Ob der Name dieser Superzivilisationen deswegen ausgewählt wurde weiß ich nicht, ich vergaß zu fragen, aber der Autor wählt alle Namen mit Bedacht, darum liegt es für mich nahe.

Dann sind da noch Vinzent und Zinnober, ein Vater-Tochter-Duo, die auf der Schattenseite stehen. Vinz ist ein abgehalfterter Agent mit einer zwielichtigen Vergangenheit, seine Tochter Zinnober ein eigenwilliger Teenager der sich nichts gefallen lässt. Es gibt noch weitere Spieler, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Vinzent und Zinnober werden von Cassandra unterstützt, der KI (künstlichen Intelligenz) ihres Raumschiffes.

In Omni wird das gesamte Spektrum abgedeckt, das man aus der Science Fiktion kennt: tolle Technologien, atemberaubende Planeten, faszinierende Rassen mit zum Teil furchterregenden Eigenschaften;  Verfolgungsjagden, Kämpfe, Kulturen und Bräuche, und hinter all dem eine Philosophie, Gedankenspiele, Ethik- und Moralvorstellungen. Die Verknüpfung all dieser Elemente ist super gelungen, zum Teil liest sich das Buch wie ein Agententhriller, dann wieder gibt es leise Töne die einen nachdenklich machen. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Sprichwortes: Nomen est Omen drängt sich auf, und es lohnt sich, die Bedeutung einiger Namen nachzuschlagen.

Nehmen wir nur mal den Namen Aurelius: ist er der aus Gold gemachte, oder ist er angelehnt an Marc Aurel bzw. Marcus Aurelius, den römischen Kaiser und Philosophen, der der letzte bedeutende Vertreter der jüngeren Stoa war? Wenn man weiß, dass unser Wort ‚stoisch‚ direkt von Stoa abgeleitet ist, ist der Zusammenhang eindeutig — oder doch nicht?

Für dieses Buch sollte man sich Zeit nehmen. Es ist spannend genug dass man es in einem Rutsch durchlesen könnte — wäre da nicht der Umfang von 530 Seiten. Es gibt aber so viele wichtige Details  und Ideen, dass man sich Zeit nehmen sollte.

Ich hatte das Glück, das Buch in einer Autoren-begleiteten Leserunde lesen und diskutieren zu dürfen, wovon mein Verständnis des Buches sehr profitiert hat. Da jeder eine andere Wahrnehmung hat, und man aufgrund der Fülle der Informationen natürlich nicht jede Nuance gleich gewichtet, ist der Austausch mit MitleserInnen ein großes Plus. Aber auch wer allein liest wird nicht enttäuscht werden, es ist auf jeden Fall für alle Geschmäcker was dabei und mehr.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Abschließend möchte ich mich beim Piper Verlag bedanken, der mir zu meiner großen Überraschung und Freude ungefragt ein Rezensionsexemplar zuschickte, bei Leserunden für die Organisation und Durchführung dieser ausführlichen Leserunde, und natürlich beim Autor, der uns geduldig durch die Leserunde begleitete und das Buch mit uns diskutierte.