Ritterschlag durch Twittertag

 

Ja, ich wollte gerne, dass es sich reimt — zumindest wenn man es deutsch ausspricht.

 

Heute habe ich  mal kein Buch beendet, daher auch keine Rezension. Dafür waren es gestern drei, und da habe ich dann tatsächlich mal ein paar Tweets abgesetzt. Ich muss gestehen, ich nutze Twitter nur gelegentlich, und dann in der Regel falsch, da ich permanent die so wichtigen hashtags vergesse…

Immerhin habe ich gestern aber bei einer Rezension den Verlag und das Forum eingefügt, denen ich dieses wunderschöne Buch zu verdanken hatte.

Die beiden anderen Bücher waren englisch, und ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, nach den entsprechenden Autorenaccounts auf Twitter zu suchen.

Überraschenderweise hat mich aber einer der Autoren tatsächlich selbst ‚gefunden‘ — ich vermute mal, das gibt es eine Software, die anspringt, sobald ein bestimmter Ausdruck (z. B. der Name) irgendwo getweetet wird.

 

Wie auch immer, es hatte zur Folge, dass dieser Autor auf meinen Tweet reagierte (siehe Bild oben) — was natürlich zur Folge hatte, dass mehr Menschen ihn zu Gesicht bekamen. Es brachte meinem Blog (und der Rezension) tatsächlich einen zusätzlichen Besucher. 😉

Anders dagegen der Tweet der an Verlag und Forum rausging: er brachte gestern UND heute diverse Leute zu meinem Blog. Und als ob das nicht schon ein großartiger Erfolg wäre, entdeckte ich heute rein zufällig dies:

 

Empfohlen von Literaturschock. Falls das stimmt, und hier nicht Retweet mit Empfehlung verwechselt wird, betrachte ich das mal als meinen Ritterschlag, denn Suse von Literaturschock legt sehr großen Wert auf Qualität und würde niemals leichtfertig eine Empfehlung aussprechen.

Aber vielleicht war dem Veröffentlicher der Retweet genug, und es hat mit Empfehlung gar nichts zu tun. Egal, dieser Tweet hat sicherlich die meisten Reaktionen bekommen, die je ein Tweet von mir bekam.

Also, Notiz an mich: nutze Twitter, benutze Hashtags, adressiere Verlage und Autoren sowie Literaturschock. 😉

Rezension: Olivier Bourdeaut – Warten auf Bojangles

Olivier Bourdeaut: Warten auf Bojangles, aus dem frz. übersetzt von Norma Cassau; Piper, Hardcover, 158 S., 18,00€

Wenn es ginge, würde ich diesem Buch sechs Sterne geben, dabei ist es schwer, in Worte zu fassen, warum.

Es ist poetisch, eindringlich, lustig, traurig, verrückt, wundervoll — mir fehlen die Adjektive.
Es ist ein Büchlein (aber schön ausgestattet, sogar mit Lesebändchen), und jede/r sollte die Zeit finden, es zu lesen. Am Besten igelt man sich für ein paar Stunden ein und taucht ab. Aber Achtung: man sollte sich nicht nur mit Getränken, sondern auch mit Taschentüchern ausrüsten. Man wird sie brauchen, und das nicht nur wegen des Verlaufes, den die Geschichte nimmt, sondern weil sie einfach zum heulen schön ist.
Ich werde gar nicht versuchen, den Inhalt zu beschreiben, denn man kann diese Achterbahn der Gefühle sowieso nicht in Worte fassen.
Es fängt recht lustig an, und irgendwie ist es auch verrückt, aber dann mehren sich die ernsten Momente, bis man zu dem Punkt kommt, wo man Böses ahnt, und die Luft anhält… Trotzdem war ich auf das Ende nicht vorbereitet. Vielleicht hätte ich es den Andeutungen entnehmen können, und unterbewusst habe ich es auch gemacht, aber ich wollte es nicht wissen.
Tja, und da saß ich dann mit verweinten Augen — und ich bin nicht der sentimentale Typ.
Es ist aber alles so realistisch beschrieben, auch wenn es so grotesk wirkt. Ich habe ähnliche Situationen in meinem Leben erlebt, vielleicht ging es mir deswegen so unter die Haut.
Egal, welche Genres man gerne liest, dies ist ein Buch das sicher jeden ansprechen wird.

Ich danke dem Piper Verlag und Literaturschock für das Rezensionsexemplar.

Rezension: Martin Krist – Brandstifter

Martin Krist: Brandstifter, Edel Verlag, ebook, 412 S., 6,99€

 

Dies war ein freies Rezensionsexemplar, zur Verfügung gestellt vom Edel Verlag. Vielen Dank dafür.

Inhalt:
Valentina findet ihren Mann bestialisch ermordet vor. Sie will natürlich nur noch raus aus dem Haus, der Grunewaldvilla, und landet bei ihrer besten Freundin Amy. Doch dort kann sie nicht lange bleiben, und da sie kein Barvermögen hat, landet sie schließlich in der winzigen Wohnung ihres Kindermädchens, doch das ist nicht so sicher, wie es scheint.
Derweil verfolgt Privatermittler David Gross diverse Spuren um einen Brand mit Todesfolge sowie das Verschwinden eines Geschäftsmannes aufzuklären. Schnell werden die Ermittlungen gefährlich für ihn, denn die Täter sind skrupellos.

Meine Meinung:

Die Charaktere kamen mir nicht wirklich glaubwürdig vor, und es gab einige Dinge, die für mich nicht schlüssig waren. Eine wirkliche Entwicklung der Protagonisten ist auch nicht zu erkennen, aber da das Buch als Anfang einer Serie angelegt ist, mag das noch kommen. Das ist aber genau der Punkt, wo mich das Buch nicht zufriedenstellt. Das Ende ist sehr abrupt, ich weiß von Anderen, dass auch sie dachten, da fehlte noch etwas, und die ebook-Ausgabe wäre nicht vollständig.
Der Autor hält dagegen, dass er die eigentlichen Fälle zu einem schlüssigen Ende geführt hat — was auch stimmt. Trotzdem wirkt das Buch auf mich unvollendet, mit der Frage: „Das war’s?“

Da sind einfach noch zu viele lose Enden, was natürlich nach einer Fortsetzung schreit. Ich persönlich bin aber überhaupt kein Fan von Buchserien, wo man den einen Band nicht verstehen kann, ohne alle anderen gelesen zu haben, und ich habe das Gefühl, dass das in dieser Serie so laufen wird.
Natürlich ist das völlig legitim, aber ich mag das gar nicht, weswegen ich da immer von vornherein einen Punkt abziehe.
Da mich dieses Buch — auch mit der Aussicht auf Folgebände — nicht total überzeugen konnte, habe ich einen weiteren Punkt abgezogen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass das allein an mir liegt, denn irgendwie hatte ich einen Thriller à la ‚Trieb‘ erwartet, und was ich vor mir hatte, war ein Thriller der sich nicht von anderen Büchern dieses Genres abhebt.

Wer Thriller mag, ist mit dem vorliegenden Buch sicher trotz allem gut beraten, nur meine Erwartungen hat er nicht erfüllt.

Rezension: Ulrike Renk – Das Lied der Störche

 

Ulrike Renk: Das Lied der Störche; Audible; Sprecherin: Yara Blümel; 16Std 21 Min; 24,95 €

Inhalt:
Diese Rezension bezieht sich auf das (ungekürzte) Hörbuch.

Die Familie von Fennhusen hat offensichtlich Glück gehabt: ihnen mangelt es an nichts.
Frederike, die älteste Tochter von Stefanie, welche in dritter Ehe mit Eric von Fennhusen verheiratet ist, verbringt ihre Kindheit auf dem Gut ihres Stiefonkels. Da sie weder Erbe noch Mitgift zu erwarten hat, drängt ihre Mutter sie, sich mit einer guten Partie zu verbinden. Doch ein Geheimnis umgibt den Mann den die Mutter ausgewählt hat.
Wird Frederike mit ihm ihr Glück finden?

Meine Meinung:
Die Geschichte an sich hat mir ganz gut gefallen, gibt sie doch Einblicke in das Leben auf einem Gutshof in Ostpreußen zur Zeit zwischen den Weltkriegen. Man erfährt ein paar historische Tatsachen, zum Beispiel über den polnischen Korridor. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, und wird aus Frederikes Sicht geschildert. Das Buch ist flüssig geschrieben, hat aber recht überflüssige Wiederholungen; und diese Menschen können nicht lachen oder lächeln, sie grinsen nur — und das gefühlt in jedem zweiten Satz. Vor meinem inneren Auge tauchte ständig jemand auf, der mir alle seine Zähne zeigt, wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland. Ich bin da pingelig, es hat mich genervt.

Ich finde es also von Sprache und Stil her nicht so ganz gelungen, aber der Inhalt ist nett.
Nichts aufregendes, sieht man mal vom Verhalten Frederikes Mutter ab, das einen auf die Palme bringt, auch unter Berücksichtigung der damaligen Zeit.
Frederike verschläft die ‚Goldenen 20er‘ in ihrem Provinznest und hat praktisch keine Lebenserfahrung. Sie ist arbeitsam und steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, aber das kommt ihr zugute, wird sie doch dazu ausgebildet, später mal ein Gut zu führen.

Yara Blümel hat es ganz nett vorgelesen, aber eine Sprecherin die den ostpreußischen Dialekt ein bisschen gekonnter rübergebracht hätte, wäre sicher nicht verkehrt gewesen.

Auf den zweiten Band darf man gespannt sein, denn die Geschichte geht weiter.

Rezension: Alana Falk – Das Herz der Quelle (Sternensturm)

Alana Falk: Sternensturm - Das Herz der Quelle; Arena, epub, 308 S., €13,99
Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle; Arena, epub, 308 S., €13,99

Inhalt:

Wir befinden uns überwiegend in Auckland, Neuseeland, das von Vulkanausbrüchen bedroht wird. Nur die Magier und ihre Quellen können die Naturkatastrophen aufhalten, aber es gibt viel zu wenige Magier.
Liliana ist eine angehende Magierin, und sie, sowie alle anderen jungen AnwärterInnen werden ins kalte Wasser geworfen um eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes zu verhindern, denn die erfahrenen MagierInnen sind zu Einsätzen anderswo. Weiterlesen

Rezension: Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore

Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore, atb; ebook, 432 S. ; €9,99
Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore, atb; ebook, 432 S. ; €9,99

 

Inhalt:
Lilli Marlene fährt anlässlich ihres 10. Hochzeitstages mit ihrem Mann nach Paris.
Sie hat vor Jahren dort gelebt und Kunstgeschichte studiert, während ihr Mann Paris nichts abgewinnen kann. Mit ihrer Ehe steht es nicht zum Besten, auch wenn beide sich anfangs Mühe geben, wieder zueinander zu finden.
Als Lilli Marlene in einem Museum das Bild einer Frau entdeckt, die ihr verblüffend ähnlich sieht, möchte sie mehr herausfinden. Jean Louis hält das für Spinnerei, und die beiden driften immer mehr auseinander.

Meine Meinung:
Dies ist ein wundervolles Buch über die Jugend, Das Erwachsenwerden, das Erwachsensein und die damit verbundene Sehnsucht nach der Unbeschwertheit der Jugend, aber auch über Initiation, sich lösen vom Elternhaus, sich als Frau zu behaupten, über die Liebe — und über die Résistance in Frankreich.

Es gibt zwei Zeitebenen, sowie zwei Frauen auf der Suche nach ihrer Unabhängigkeit, auch wenn das Lilli Marlene lange nicht klar wird.

Vianne, die Frau auf dem Bild, rennt in jungen Jahren von zuhause weg. Das Leben in einem kleinen Dorf, mit sehr konservativen Eltern, schnürt sie ein.

Sie geht nach Paris, und wir folgen ihr durch alle Höhen und Tiefen die sie im Paris der 30er und Anfang der 40er Jahre durchlebt.

Die Atmosphäre der Stadt ist sehr gut eingefangen, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Wer wie ich schon jemals für ein paar Tage am Stück in Paris war, wird es sicher wiedererkennen, jedenfalls ging es mir so, und jetzt habe ich Sehnsucht nach der Stadt, obwohl sich in den fast 30 Jahren, seit ich zuletzt dort war, sicher eine Menge verändert hat. Im Buch erkannte und fand ich das Paris wieder, das ich als junge Frau erlebt und geliebt habe, wenngleich ich immer nur als Touristin dort war und nie dort gelebt habe.

Ich könnte die Atmosphäre dieser Stadt nicht beschreiben, aber der Autorin gelingt dies mühelos.

Natürlich geht es nicht nur um Paris, sondern auch um die Selbstfindung und Selbstverwirklichung zweier Frauen aus sehr verschiedenen Zeitepochen.
Die Geschichte ist sehr berührend, und die historischen Fakten sind erschreckend und erinnern einmal mehr an die furchtbare Zeit des zweiten Weltkrieges.

Lilli Marlenes Geschichte ist traurig und hoffnungsvoll zugleich, zudem sehr überzeugend.

Man kann dem obigen sicher entnehmen, dass ich das Buch geliebt habe, und ich kann es jedem empfehlen, der gerne historische Romane liest, aber nicht von der Aufzählung von Fakten erschlagen werden möchte.

Die Fakten sind untrennbar mit der Geschichte verbunden; man durchlebt Viannes Zeit mit ihr, und erfährt die Fakten so praktisch nebenbei.

Ein absolutes Muss für jeden Parisliebhaber, Fan historischer Romane, und jeden, der einfach gerne gute Literatur liest.

Rezension: Yrsa Sigurðardóttir – DNA

 Yrsa Sigurðardóttir: DNA; Anika Wolff (Übersetzer); btb; ebook 480 S.; €14,99
Yrsa Sigurðardóttir: DNA; Anika Wolff (Übersetzer); btb; ebook 480 S.; €14,99

 

Inhalt:

In Island werden zwei Frauen brutal ermordet. Alles deutet darauf hin, dass es sich um den selben Täter handelt, aber die Opfer scheinen in keinem Zusammenhang zu stehen.

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Kommissar Huldar muss mit der Psychologin Freyja zusammenarbeiten, die sich um die Tochter eines der Opfer kümmert, die siebenjährige  Margrét, die einiges aussagen könnte…

Huldar und Freyja haben nach einer gemeinsam verbrachten Nacht, in der Huldar seine Identität verschwieg, ein angespanntes Verhältnis. Überhaupt hat Huldar ein ziemlich merkwürdiges Verhältnis zu Frauen, und dass dies sein erster großer Fall in eigener Regie ist, hilft auch nicht wirklich.

Meine Meinung:

Nach langer Zeit mal wieder ein Thriller der zu lesen lohnte. Sehr spannend, total unvorhersehbar, dennoch toll aufgelöst.

Dies ist der Beginn einer Serie, und ich könnte mir vorstellen, auch zukünftige Folgen zu lesen.

Der Kommissar macht zwar einen etwas verpeilten Eindruck, war zum Teil auch etwas schnell mit Verdächtigungen und Anschuldigungen dabei, ist absolut kein Überflieger, und auch nicht super sympathisch, wenn man sich seine Frauengeschichten anguckt. Trotzdem scheint er solide zu sein, und sich bessern zu wollen. Na, mal sehen.
Überhaupt sind alle Charaktere gut ausgearbeitet, keiner bleibt blass. Der Schreibstil ist flüssig (zumindest in der Übersetzung), und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Die Spannung wird die ganze Zeit über gehalten, obwohl man zwischendurch verzweifeln möchte, weil alles so undurchsichtig ist und man nicht den Schimmer einer Ahnung hat, was die Motivation des Killers ist, und wer wohl sein nächstes Opfer sein wird.
Natürlich gibt es Spuren, aber ich persönlich war bis zum Schluss auf der völlig falschen Fährte, ich wusste jedenfalls nur wer es ganz bestimmt nicht war.
Netterweise erspart uns die Autorin auch blutige Details, obwohl wir die Mordmethoden erfahren. Es bleibt aber dem Leser überlassen, ob er sich das im Detail ausmalen möchte oder nicht.

Absolut lesenswert für alle Thrillerfans.

 

Herzlichen Dank an btb für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.