Rezension: Martin Krist – Stille Schwester (Alanna 2)

 

Inhalt:

Ein Serienkiller hält die Berliner Polizei — besonders das Team um Henry Frei und Louisa Albers — in Atem.

Zusammenhänge zwischen den ermordeten Personen scheint es nicht zu geben, aber der Täter hinterlässt Botschaften am Tatort, so dass eine wilde Jagd beginnt, um den nächsten Mord zu verhindern.

Natürlich gibt es noch diverse andere Fälle, die die Aufmerksamkeit unseres Teams beanspruchen, unter Anderem ein verschwundener Teenager.

Meine Meinung:

Mit ‘Stille Schwester’ hat Martin Krist erneut einen Thriller vorgelegt, der es in sich hat.

Trotz des Hinweises im Titel, dass es ein zweiter Band zu einem Thema ist, ist es nicht erforderlich den ersten Band zu kennen, um Stille Schwester folgen zu können. Man sollte sich allerdings selbst den Gefallen tun und den ersten Band lesen…

Wie gewohnt bei Martin Krist, bekommt man alles, was einen spannenden Thriller ausmacht, und das Rätselraten und Bibbern fängt schon mit dem Prolog an!

Der Spannungsbogen wird durch das gesamte Buch aufrecht erhalten, man fiebert mit, und verdächtigt die falschen Personen. Die Auflösung ist schlüssig, die Charaktere glaubwürdig.

Obwohl die Fälle aufgeklärt werden bleiben so einige Fragen offen, was ich persönlich unbefriedigend finde — und die Fortsetzung lässt noch auf sich warten.

Trotzdem sehr zu empfehlen, nicht nur für Fans von Martin Krist.

Rezension – Mari Griffith: Das Geheimnis der Königin

 

 

Mari Griffith: Das Geheimnis der Königin (orig: The Root of the Tudor Rose, übersetzt von Cécile Lecaux); ebook, 405 S., Bastei Lübbe, Mai 2018; 6,99€

Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen. Es ist leichte Lektüre für historisch interessierte LeserInnen.

Es lebt von vielen kleinen Details über Sitten und Gebräuche, auch wenn sich diese nicht so ohne weiteres verifizieren lassen.

Der Schreibstil ist angenehm, aber stellenweise sehr Husch-Husch, so dass einem die Hauptfiguren emotional fernbleiben.

Die ersten 2/3 des Buches sind sehr interessant, aber es wird vieles erwähnt was dann nie wieder aufgegriffen und erklärt wird.

Wenn man mehr wissen möchte, muss man selbst recherchieren. Dankenswerter Weise gibt die Autorin am Anfang des Buches die (für diese Geschichte) wichtigsten Stammbäume an, und am Ende des Buches gibt es einen historischen Überblick mit weiterführenden Links.

Wer hier auf ein Romanze, oder wenigstens gefühlvolle Beschreibung der heimlichen Ehe Catherines mit Owen Tudor hofft, wird bitterlich enttäuscht werden.
Für mich kam zwar die Atmosphäre der machtlosen Frauen (und seien sie auch Königin von England), und die Unterdrückung der Waliser herüber, aber Catherine, Owen, und auch Heinrich blieben mir fern.
Da alles so im Zeitraffer geschrieben ist konnte ich keine wirkliche Beziehung zu den Figuren aufbauen, auch wenn deutlich wurde wie sehr sie alle gelitten haben.

Als leichte Lektüre kann ich es empfehlen, aber wer tiefer eintauchen möchte wird bei diesem Buch zu kurz kommen.

Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar.

Rezension: Michael Kibler – Treueschwur

Michael Kibler: Treueschwur, Piper; Taschenbuch; 384 S.; €13,00

Klappentext:

Während eines Kongresses der Gerichtsmediziner in Darmstadt wird bei Renovierungsarbeiten im Kongresszentrum ein Schädel gefunden. Steffen Horndeich und Leah Gabriely von der Mordkommission finden heraus, dass der Besitzer des Schädels vor sehr langer Zeit verstorben sein muss. Ganz anders sieht es bei den Skelettresten aus, die wenig später in einem Waldgebiet auftauchen: Das Mordopfer kann noch nicht so lange tot sein. Schon die Feststellung der Identität wird zu einem komplexen Puzzlespiel. Und dann mehren sich die Hinweise, dass ausgerechnet der Schädel bei der Lösung des Falls eine wichtige Rolle spielen könnte.

Meine Meinung:

Treueschwur ist der erste Krimi von Michael Kibler den ich gelesen habe.
Anfangs habe ich ein bisschen gebraucht, um die verschiedenen Personen einordnen zu können, aber dafür, dass dies schon der 10. Band einer Reihe von Krimis ist die ich alle nicht kenne, ging es dann doch erstaunlich schnell, und das Buch zog mich schnell in seinen Bann.
Ich würde es mal als ‘sauberen’ Krimi bezeichnen, es gibt keine ‘ekligen’ Details, und obwohl es natürlich Gewalt gibt — schließlich geht es unter Anderem um einen Mord — ist es nicht so haarsträubend und erschreckend wie in manch anderem Krimi den ich kenne, und von daher sehr glaubwürdig. Die Geschichte um den Schädel ist von der Idee her grandios, und das Ermittlerteam ist großartig und hat mir gut gefallen.
Die Art und Weise wie die Ermittlungen durchgeführt werden hören sich für mich als Laien durchaus glaubwürdig an, und alles ist in sich schlüssig.
Der Schreibstil ist gut und flüssig, verliert sich jedoch gelegentlich in zu detaillierten Beschreibungen irgendwelcher Automarken, was mich dann veranlasste, diese Stellen quer zu lesen.
Jemand der sich für Autos interessiert kommt hier sicher voll auf seine Kosten; für mich persönlich hat es nichts zur Geschichte beigetragen.

Wer gerne solide, glaubwürdige Krimis liest ist mit Treueschwur sehr gut beraten.

Rezension: Olivier Bourdeaut – Warten auf Bojangles

Olivier Bourdeaut: Warten auf Bojangles, aus dem frz. übersetzt von Norma Cassau; Piper, Hardcover, 158 S., 18,00€

Wenn es ginge, würde ich diesem Buch sechs Sterne geben, dabei ist es schwer, in Worte zu fassen, warum.

Es ist poetisch, eindringlich, lustig, traurig, verrückt, wundervoll — mir fehlen die Adjektive.
Es ist ein Büchlein (aber schön ausgestattet, sogar mit Lesebändchen), und jede/r sollte die Zeit finden, es zu lesen. Am Besten igelt man sich für ein paar Stunden ein und taucht ab. Aber Achtung: man sollte sich nicht nur mit Getränken, sondern auch mit Taschentüchern ausrüsten. Man wird sie brauchen, und das nicht nur wegen des Verlaufes, den die Geschichte nimmt, sondern weil sie einfach zum heulen schön ist.
Ich werde gar nicht versuchen, den Inhalt zu beschreiben, denn man kann diese Achterbahn der Gefühle sowieso nicht in Worte fassen.
Es fängt recht lustig an, und irgendwie ist es auch verrückt, aber dann mehren sich die ernsten Momente, bis man zu dem Punkt kommt, wo man Böses ahnt, und die Luft anhält… Trotzdem war ich auf das Ende nicht vorbereitet. Vielleicht hätte ich es den Andeutungen entnehmen können, und unterbewusst habe ich es auch gemacht, aber ich wollte es nicht wissen.
Tja, und da saß ich dann mit verweinten Augen — und ich bin nicht der sentimentale Typ.
Es ist aber alles so realistisch beschrieben, auch wenn es so grotesk wirkt. Ich habe ähnliche Situationen in meinem Leben erlebt, vielleicht ging es mir deswegen so unter die Haut.
Egal, welche Genres man gerne liest, dies ist ein Buch das sicher jeden ansprechen wird.

Ich danke dem Piper Verlag und Literaturschock für das Rezensionsexemplar.

Rezension: Martin Krist – Brandstifter

Martin Krist: Brandstifter, Edel Verlag, ebook, 412 S., 6,99€

 

Dies war ein freies Rezensionsexemplar, zur Verfügung gestellt vom Edel Verlag. Vielen Dank dafür.

Inhalt:
Valentina findet ihren Mann bestialisch ermordet vor. Sie will natürlich nur noch raus aus dem Haus, der Grunewaldvilla, und landet bei ihrer besten Freundin Amy. Doch dort kann sie nicht lange bleiben, und da sie kein Barvermögen hat, landet sie schließlich in der winzigen Wohnung ihres Kindermädchens, doch das ist nicht so sicher, wie es scheint.
Derweil verfolgt Privatermittler David Gross diverse Spuren um einen Brand mit Todesfolge sowie das Verschwinden eines Geschäftsmannes aufzuklären. Schnell werden die Ermittlungen gefährlich für ihn, denn die Täter sind skrupellos.

Meine Meinung:

Die Charaktere kamen mir nicht wirklich glaubwürdig vor, und es gab einige Dinge, die für mich nicht schlüssig waren. Eine wirkliche Entwicklung der Protagonisten ist auch nicht zu erkennen, aber da das Buch als Anfang einer Serie angelegt ist, mag das noch kommen. Das ist aber genau der Punkt, wo mich das Buch nicht zufriedenstellt. Das Ende ist sehr abrupt, ich weiß von Anderen, dass auch sie dachten, da fehlte noch etwas, und die ebook-Ausgabe wäre nicht vollständig.
Der Autor hält dagegen, dass er die eigentlichen Fälle zu einem schlüssigen Ende geführt hat — was auch stimmt. Trotzdem wirkt das Buch auf mich unvollendet, mit der Frage: “Das war’s?”

Da sind einfach noch zu viele lose Enden, was natürlich nach einer Fortsetzung schreit. Ich persönlich bin aber überhaupt kein Fan von Buchserien, wo man den einen Band nicht verstehen kann, ohne alle anderen gelesen zu haben, und ich habe das Gefühl, dass das in dieser Serie so laufen wird.
Natürlich ist das völlig legitim, aber ich mag das gar nicht, weswegen ich da immer von vornherein einen Punkt abziehe.
Da mich dieses Buch — auch mit der Aussicht auf Folgebände — nicht total überzeugen konnte, habe ich einen weiteren Punkt abgezogen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass das allein an mir liegt, denn irgendwie hatte ich einen Thriller à la ‘Trieb’ erwartet, und was ich vor mir hatte, war ein Thriller der sich nicht von anderen Büchern dieses Genres abhebt.

Wer Thriller mag, ist mit dem vorliegenden Buch sicher trotz allem gut beraten, nur meine Erwartungen hat er nicht erfüllt.

Review: Anna Katharine Green – Initials Only

https://i2.wp.com/ia800802.us.archive.org/24/items/LibrivoxCdCoverArt15/Initials_Only_1203.jpg
Anna Katharine Green: Initials Only, audio: librivox volunteers, project gutenberg public domain book, 356 pages/ 9:36h

Over the years, I’ve listened to many of Anna Katharine Green’s mysteries, and I liked them. They are well written, and the audios were OK, too (even if the mispronunciation of various words grated on me, but it is librivox policy to never correct pronunciation, unless the reader asks for it).

This book was different. It was not a solo recording, but a collaborative one, and an early one, dating from a time when neither the recording equipment nor the recording software were particularly good. And so, this specific book and recording were a mixed bag.

The story is boring. It starts out well, then goes off on a tangent pretty early on, and although we get to know the ‘whodunnit’ and how, it is far from satisfying. No explanation of the murder device, a flimsy excuse as to the why… if it hadn’t been for a challenge which required me to either read or listen to a book starting with the letter I, I wouldn’t have finished it. The characters are flat and one-dimensional, they don’t develop, and there’s not a single person I really connected and felt with. Only Streetwater shows some promise.

Some chapters were of very bad sound quality, others I couldn’t understand due to the accent of some of the readers, so I had my kindle read those chapters to me, and the computerized voice was a lot better than the recording in those cases.

On the whole, this wasn’t an experience I enjoyed, since the story didn’t make up for the at times very poor audio. I truly wouldn’t recommend this book (in print or otherwise) to anybody.

Rezension: Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore

Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore, atb; ebook, 432 S. ; €9,99
Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore, atb; ebook, 432 S. ; €9,99

 

Inhalt:
Lilli Marlene fährt anlässlich ihres 10. Hochzeitstages mit ihrem Mann nach Paris.
Sie hat vor Jahren dort gelebt und Kunstgeschichte studiert, während ihr Mann Paris nichts abgewinnen kann. Mit ihrer Ehe steht es nicht zum Besten, auch wenn beide sich anfangs Mühe geben, wieder zueinander zu finden.
Als Lilli Marlene in einem Museum das Bild einer Frau entdeckt, die ihr verblüffend ähnlich sieht, möchte sie mehr herausfinden. Jean Louis hält das für Spinnerei, und die beiden driften immer mehr auseinander.

Meine Meinung:
Dies ist ein wundervolles Buch über die Jugend, Das Erwachsenwerden, das Erwachsensein und die damit verbundene Sehnsucht nach der Unbeschwertheit der Jugend, aber auch über Initiation, sich lösen vom Elternhaus, sich als Frau zu behaupten, über die Liebe — und über die Résistance in Frankreich.

Es gibt zwei Zeitebenen, sowie zwei Frauen auf der Suche nach ihrer Unabhängigkeit, auch wenn das Lilli Marlene lange nicht klar wird.

Vianne, die Frau auf dem Bild, rennt in jungen Jahren von zuhause weg. Das Leben in einem kleinen Dorf, mit sehr konservativen Eltern, schnürt sie ein.

Sie geht nach Paris, und wir folgen ihr durch alle Höhen und Tiefen die sie im Paris der 30er und Anfang der 40er Jahre durchlebt.

Die Atmosphäre der Stadt ist sehr gut eingefangen, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Wer wie ich schon jemals für ein paar Tage am Stück in Paris war, wird es sicher wiedererkennen, jedenfalls ging es mir so, und jetzt habe ich Sehnsucht nach der Stadt, obwohl sich in den fast 30 Jahren, seit ich zuletzt dort war, sicher eine Menge verändert hat. Im Buch erkannte und fand ich das Paris wieder, das ich als junge Frau erlebt und geliebt habe, wenngleich ich immer nur als Touristin dort war und nie dort gelebt habe.

Ich könnte die Atmosphäre dieser Stadt nicht beschreiben, aber der Autorin gelingt dies mühelos.

Natürlich geht es nicht nur um Paris, sondern auch um die Selbstfindung und Selbstverwirklichung zweier Frauen aus sehr verschiedenen Zeitepochen.
Die Geschichte ist sehr berührend, und die historischen Fakten sind erschreckend und erinnern einmal mehr an die furchtbare Zeit des zweiten Weltkrieges.

Lilli Marlenes Geschichte ist traurig und hoffnungsvoll zugleich, zudem sehr überzeugend.

Man kann dem obigen sicher entnehmen, dass ich das Buch geliebt habe, und ich kann es jedem empfehlen, der gerne historische Romane liest, aber nicht von der Aufzählung von Fakten erschlagen werden möchte.

Die Fakten sind untrennbar mit der Geschichte verbunden; man durchlebt Viannes Zeit mit ihr, und erfährt die Fakten so praktisch nebenbei.

Ein absolutes Muss für jeden Parisliebhaber, Fan historischer Romane, und jeden, der einfach gerne gute Literatur liest.

Rezension: Andreas Brandhorst – Omni

Andreas Brandhorst: Omni; Piper; Broschur; 540 S., €15,00
Andreas Brandhorst: Omni; Piper; Broschur; 530 S., €15,00

Inhalt:

Da das Buch 530 Seiten umfasst, ist es einigermaßen schwierig den Inhalt zusammenzufassen, zumal unter der Prämisse, keine Spoiler zu schreiben.

Kurz gesagt: während Vinzent Forrester und seine Tochter Zinnober im Auftrag der mächtigen ‘Agentur’ versuchen, ein lange Zeit verschollenes Artefakt an sich zu bringen, hat Aurelius, ein Vertreter Omnis, das selbe Ziel, nur, dass er das Artefakt nicht zu seinen Zwecken ausnutzen, sondern seiner ursprünglichen Bestimmung zuführen will. Natürlich sind diverse Organisationen hinter dem Artefakt her, heißt es doch, wer das Artefakt beherrscht, beherrscht die Welt — aber ist dem wirklich so? Eine atemberaubende Jagd beginnt. Wer wird der Sieger sein, und wie hoch ist der Preis?

 

Meine Meinung:

Konnte der Autor mich vor gut einem Jahr schon mit seinem preisgekrönten Roman Das Schiff  überzeugen, hat er mit Omni noch was draufgelegt. Omni ist ein richtiges Weltraumabenteuer, mit Krawumm, einer tollen Welt,  und einer Menge sehr gut durchdachter Ideen — auf gut Neudeutsch: es ist voll der Burner.

Wir treffen zuerst auf Aurelius, einen 10000 Jahre alten Menschen, der im Dienste Omnis steht.

Omni ist eine Supermacht die im Grunde handeln kann, wie sie will, da ihre Überlegenheit von allen im Universum anerkannt wird. Vermutlich liegt das daran, dass sie technisch extrem hoch entwickelt sind, und den Eindruck erwecken, als seien sie omniscient, omniferous und  omnipotent.   Ob der Name dieser Superzivilisationen deswegen ausgewählt wurde weiß ich nicht, ich vergaß zu fragen, aber der Autor wählt alle Namen mit Bedacht, darum liegt es für mich nahe.

Dann sind da noch Vinzent und Zinnober, ein Vater-Tochter-Duo, die auf der Schattenseite stehen. Vinz ist ein abgehalfterter Agent mit einer zwielichtigen Vergangenheit, seine Tochter Zinnober ein eigenwilliger Teenager der sich nichts gefallen lässt. Es gibt noch weitere Spieler, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Vinzent und Zinnober werden von Cassandra unterstützt, der KI (künstlichen Intelligenz) ihres Raumschiffes.

In Omni wird das gesamte Spektrum abgedeckt, das man aus der Science Fiktion kennt: tolle Technologien, atemberaubende Planeten, faszinierende Rassen mit zum Teil furchterregenden Eigenschaften;  Verfolgungsjagden, Kämpfe, Kulturen und Bräuche, und hinter all dem eine Philosophie, Gedankenspiele, Ethik- und Moralvorstellungen. Die Verknüpfung all dieser Elemente ist super gelungen, zum Teil liest sich das Buch wie ein Agententhriller, dann wieder gibt es leise Töne die einen nachdenklich machen. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Sprichwortes: Nomen est Omen drängt sich auf, und es lohnt sich, die Bedeutung einiger Namen nachzuschlagen.

Nehmen wir nur mal den Namen Aurelius: ist er der aus Gold gemachte, oder ist er angelehnt an Marc Aurel bzw. Marcus Aurelius, den römischen Kaiser und Philosophen, der der letzte bedeutende Vertreter der jüngeren Stoa war? Wenn man weiß, dass unser Wort ‘stoisch‘ direkt von Stoa abgeleitet ist, ist der Zusammenhang eindeutig — oder doch nicht?

Für dieses Buch sollte man sich Zeit nehmen. Es ist spannend genug dass man es in einem Rutsch durchlesen könnte — wäre da nicht der Umfang von 530 Seiten. Es gibt aber so viele wichtige Details  und Ideen, dass man sich Zeit nehmen sollte.

Ich hatte das Glück, das Buch in einer Autoren-begleiteten Leserunde lesen und diskutieren zu dürfen, wovon mein Verständnis des Buches sehr profitiert hat. Da jeder eine andere Wahrnehmung hat, und man aufgrund der Fülle der Informationen natürlich nicht jede Nuance gleich gewichtet, ist der Austausch mit MitleserInnen ein großes Plus. Aber auch wer allein liest wird nicht enttäuscht werden, es ist auf jeden Fall für alle Geschmäcker was dabei und mehr.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Abschließend möchte ich mich beim Piper Verlag bedanken, der mir zu meiner großen Überraschung und Freude ungefragt ein Rezensionsexemplar zuschickte, bei Leserunden für die Organisation und Durchführung dieser ausführlichen Leserunde, und natürlich beim Autor, der uns geduldig durch die Leserunde begleitete und das Buch mit uns diskutierte.

 

Rezension: Mascha Vassena – Das Mitternachtsversprechen

Mascha Vassena: Das Mitternachtsversprechen; Piper; ebook:320 S.; €8,99
Mascha Vassena: Das Mitternachtsversprechen; Piper; ebook:320 S.; €8,99

Familiengeschichte mit Twist

Inhalt:

Die Journalistin Vera reist nach Turin, um ihre Großtante zu interviewen für eine Reportage über Frauen, die nach dem zweiten Weltkrieg ungewöhnliche Berufe ergriffen  und ihren Weg in einer von Männern geprägten Welt gemacht haben, so wie einst ihre Großmutter.

Während sie zu Hause alte Dokumente sichtet, entdeckt Vera, deren Zwillingsschwester spurlos verschwand als sie Kinder waren, dass es noch eine dritte Schwester gegeben hatte, deren Existenz totgeschwiegen wurde, und von der auch ihre Mutter nicht wusste.

Das ist ein zusätzlicher Anreiz, und so macht sie sich auf den Weg nach Turin, um Antworten zu erhalten, aber sie stößt auf eine Mauer des Schweigens.  Continue reading

Blogtour: Lizzis letzter Tango von Anja Marschall

 

Anja Marschall: Lizzis letzter Tango; ATB; ebook, 255 S., €7,99
Anja Marschall: Lizzis letzter Tango; ATB; ebook, 255 S., €7,99

 

Im Buch wird das Thema der Altersarmut mit Humor und Witz angegangen, aber die Realität sieht doch anders aus. Je nachdem wo man guckt, wird es kräftig heruntergespielt, oder vielleicht auch übertrieben. Die Berliner Zeitung vom August letzten Jahres zum Beispiel erzählt uns praktisch, dass das ja alles gar kein Thema ist, und dass es den Rentnern im Schnitt besser geht als noch vor fünf Jahren. Sie spricht gar von einer ‘Seniorenlobby’ — seit wann haben die Senioren eine Lobby hier im Land? Zum Schluss räumt die Zeitung dann ein, dass sich die Situation für meine Generation und jünger ab 2030 drastisch verschlechtern wird. Also was nun?

Die genauen Daten kann man übrigens auf der Seite des statistischen Bundesamtes nachlesen. Man kann es aber auch — wenn man, wie ich, über 50 ist — der jährlichen Rentenauskunft entnehmen, die man zugeschickt bekommt. Da sieht man, dass die voraussichtliche Rente von Jahr zu Jahr geringer wird. Leider kann ich das Anschreiben nicht mehr finden, aber darin hieß es lapidar, dass die Menschen hierzulande immer länger leben, und dass daher die Rente geringer ausfallen wird als noch letztes Jahr prognostiziert. Von dem bisschen, was sie einem zugestehen, muss man natürlich noch Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen.

Je nach Versicherungsverlauf fällt das höher oder niedriger aus — und da Frauen oft immer noch zu Hause bleiben und die Kinder großziehen, oder sich als schlechtverdienende Alleinerziehende in Teilzeitjobs durchschlagen, ist deren voraussichtliche Rente sehr gering. Denen bleibt dann vermutlich nichts anderes übrig, als der Gang zum Sozialamt, um die sogenannte Grundsicherung zu beantragen — ein Schicksal, das auch mich erwarten wird.

Dafür dürfen wir dann aber ein paar Jahre länger arbeiten, je nach Geburtsjahr bis wir 67 sind.

Das Geld, das Lizzi gebunkert hatte, war tatsächlich kein Reichtum, aber die Summe würde mir sicherlich helfen, ein bisschen besser über die Runden zu kommen. Einen Platz in einer noblen Seniorenresidenz wie dieser könnte ich mir davon aber nicht leisten, es sei denn, ich erwartete, dass ich nach Rentenbeginn nur nach knapp zwei Jahre lebte, denn so ein Apartment wie Lizzi es hat, kostet ca € 2200 monatlich. Da kann ich lieber da wohnen bleiben, wo ich jetzt bin, auch wenn die schon wieder die Miete erhöht haben.

Solltet ihr noch jung sein, lasst euch eines sagen: sorgt vor für das Alter. Es kommt auch auf euch zu, und die Aussicht, weniger als das Existenzminimum zu bekommen, ist nicht erstrebenswert.

Frauen, lasst eure Männer zu Hause bleiben und die Kinder erziehen, sucht euch einen gut bezahlten Job, und sorgt für eure Rente vor, denn Bankräuber sind rar gesät.

Zu gewinnen gibt es natürlich auch was.

Beantwortet mir folgende Frage: Habt  ihr schon über eure Altersvorsorge nachgedacht und eventuell sogar Vorkehrungen getroffen?

(Da ich momentan nur über mobiles Internet mit schlechtem Signal verfüge, kann es ein bisschen dauern, bis eure Kommentare freigeschaltet werden)

Zu gewinnen gibt es:

3 Exemplare Taschenbuch “Lizzis letzter Tango”

3 Exemplare E-Book “Lizzis letzter Tango”

Teilnahmebedingungen:

Die Teilnahme am Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich
Bei Minderjährigen ist die Teilnahme nur mit Erlaubnis der Erziehungs-/Sorgeberechtigten möglich
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung des Gewinns ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass im Gewinnfall die Mailadresse/Adresse an die Autorin oder an den Verlag übersendet werden darf, und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird durch den Blog Sabine Ibing durchgeführt.
Das Gewinnspiel beginnt am 16.05.2016 um 00:01 Uhr und endet am 22.05.2016 um 23:59 Uhr

Hier sind noch mal alle Stationen  der Blogtour:

 

Blogtour: Lizzis letzter Tango

16.05. – Buch Bria mit Vorstellung des Buches
17.05. – Blätterflüstern mit Altersarmut in einem reichen Land?
18.05. – Ira Ebner mit Unkonventionelle Menschen, was unterscheidet sie von anderen?
19.05. – Chrissisbuntelesecouch mit Jeder ist seines Glückes Schmied. — Scheint entfallen zu sein.
20.05 – Dieter Paul Rudolph mit Im Alter arbeiten müssen… manch einer MUSS das, ein anderer freut sich.
21.05 – Sabine Ibing mit Interview mit Anja Marschall
22.05. – Sabine Ibing – Verlosung