Rezension: Hanna Caspian – Gut Greifenau – Nachtfeuer

Hanna Caspian: Nachtfeuer (Gut Greifenau 2), Knaur TB, 560 S., ebook, €9,99

Inhalt:

Die Familie Auwitz-Aarhayn und ihre Bediensteten durchleben die Zeit des ersten Weltkrieges. Aufgrund ihrer Lage geht es ihnen noch vergleichsweise gut, wenngleich sich auch auf dem Gut die Lebensmittelknappheit bemerkbar macht.

Nikolaus ist im Krieg, Konstantin ist mit einer Verletzung und einer Kriegsneurose auf das Gut zurückgekehrt, Alexander ist aus der Schule zurück, und für Katharina hat sich nichts verändert. Ihre Mutter hält nach wie vor an ihren Heiratsplänen für sie fest.

Einige der Bediensteten wurden eingezogen, die anderen wursteln mehr oder weniger unverändert vor sich hin.

Mit Fortschreiten des Krieges wird die Situation für alle immer bedrohlicher, es gibt aber auch Lichtblicke.

Meine Meinung

Mit ‘Nachtfeuer’ hat Hanna Caspian eine gelungene Fortsetzung der Gut Greifenau-Saga geschrieben.

Die Charaktere entwickeln sich weiter — einige so, wie man es erwartet, andere können überraschen.

Es gelingt Hanna Caspian die Figuren so plastisch darzustellen, dass man mit fiebert.

Man freut sich mit Albert und Wiebke, ist empört und abgestoßen von Feodora, Anastasia, und einigen anderen, empfindet durchaus ein bisschen Schadenfreude für Adolphis, und hofft und bangt besonders für Konstantin und Katharina.

Im Vordergrund steht die Familie mit ihren Bediensteten, aber auch einige Dorfbewohner mischen mehr oder minder kräftig mit.

Alle haben so ihre kleinen oder großen Geheimnisse, und der Krieg ist nicht gerade zuträglich.

Überhaupt ist der erste Weltkrieg sehr gut in die Geschichte eingewoben: er wirkt sich natürlich auf die Geschicke aller aus, steht aber nicht im Vordergrund.

Durch diese Verquickung von Krieg und Familienschicksale bekommt man einen sehr guten Eindruck von den Umwälzungen, die der erste Weltkrieg für das gesamte Land mit sich bringt.

Ich würde den Roman daher nicht unbedingt als historischen Roman einordnen, er ist aber durch den historischen Kontext besonders interessant und vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, wie es den Deutschen während des Krieges so gegangen ist.

Das Buch endet mit einem ‘Cliffhanger’, aber da der dritte Band inzwischen vorliegt, kann ich es verzeihen. Ich freue mich schon auf den Abschluss der Trilogie, denn ich muss unbedingt wissen, wie es mit Konstantin und Katharina weitergeht. Können sie dem Schicksal entkommen, das andere für sie vorgesehen haben?

Wer gerne Familiengeschichten liest und auch historisch interessiert ist, dem kann ich diese Trilogie nur ans Herz legen.

Der Schreibstil ist flüssig, und das Buch liest sich so weg, man merkt gar nicht, dass es über 500 Seiten sind.

Und jetzt habe ich eine Verabredung mit der Morgenröte…

Ich möchte mich bei Knaur für das Leseexemplar bedanken, sowie bei Literaturschock und Hanna Caspian für die Lese- und Diskussionsrunde.

Rezension:Andreas Brandhorst – Ewiges Leben

Andreas Brandhorst: Ewiges Leben, Piper Verlag, ebook, 704 S., €14,99

Inhalt:

Die Firma Futuria, gegründet mit der hehren Idee das Leben für die Menschheit zu verbessern, Krankheiten auszumerzen, und letztendlich den Menschen zur Unsterblichkeit zu verhelfen, hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, und die Ziele haben sich geändert. Dies ist allerdings nicht offensichtlich, offiziell wird weiterhin daran gearbeitet, die ursprünglichen Ziele zu verwirklichen.

Die Journalistin Sophia wird von Futuria engagiert um anlässlich des 20jährigen Firmenjubiläums ein Firmenporträt zu erstellen.

Bei einer Feier kommt es zu einem Zwischenfall, und Sophia und ihr Kollege Borris untersuchen die Hintergründe.

Plötzlich finden sie sich in einem Sumpf aus Intrigen wieder.

Derweil sind Futurias Gegner auch nicht untätig, und alles läuft auf einen großen Showdown hinaus dessen Gewinner nicht feststeht.

Meine Meinung

Mit ‘Ewiges Leben’ ist Andreas Brandhorst ein großartiger, brandaktueller Thriller gelungen, der es wieder mal schafft heiße Eisen anzupacken und zum Nachdenken anzuregen, ohne dabei zu moralisieren.

Der Spannungsbogen wird konstant aufrechterhalten — was bei über 700 Seiten eine großartige Leistung ist.

Das Buch liest sich einfach so weg, man merkt die Länge überhaupt nicht, denn die Szenen und Protagonisten wechseln ständig, wobei alle quasi aufeinander zulaufen.

Sympathien und Antipathien die man im Laufe des Buches entwickelt muss man überdenken, denn es ist nicht alles so, wie es scheint.

Technische oder wissenschaftliche Kenntnisse braucht man nicht, um das Buch zu verstehen. Alles wird so erklärt, dass man jederzeit im Bilde ist.

Interessanterweise hat die Wirklichkeit die Fiktion in einigen Bereichen schon eingeholt, was doch irgendwie erschreckend ist.

Natürlich ist uns allen bewusst, dass die schöne neue Welt auch Schattenseiten hat, aber im Allgemeinen verdrängt man das. Im Buch werden wir mit den Schattenseiten konfrontiert und müssen uns damit auseinandersetzen.

Es ist ein tolles Buch, großartig recherchiert, sehr flüssig geschrieben, und absolut empfehlenswert.

Übrigens ist die Hörbuchvariante, gelesen von Richard Barenberg, auch sehr zu empfehlen. Richard Barenberg liest die Geschichte großartig. Leider ist die Kapiteleinteilung des Hörbuches absolut willkürlich, so dass man nicht ohne weiteres zwischen Buch und Hörbuch hin- und herspringen kann.

Vielen Dank an Leserunden.de und Piper Verlag für das Rezensionsexemplar.

Rezension: Hanna Caspian – Gut Greifenau – Abendglanz

Hanna Caspian: Gut Greifenau – Abendglanz; Knaur, 560 S, ebook, 9,99€

Wir befinden uns auf einem Gut in Pommern kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges.

Wir lernen die Gutsfamilie, ihre Pächter und Angestellten, sowie einige andere Personen aus den unterschiedlichsten Kreisen kennen, deren Wege sich früher oder später kreuzen.

Die historischen Fakten sind gut recherchiert, und die Charaktere sind sehr gut angelegt. 
Innerhalb von jedem Kreis gibt es gute, schlechte, und gleichgültige Personen. 
Keine dieser Personen ist nur gut, oder nur böse, sondern alle sind vielschichtig und deshalb überzeugend. 
Die drei ‘Kinder’ der Familie die auf dem Gut leben machen die größten charakterlichen Entwicklungen durch, besonders Konstantin, der älteste Sohn und zukünftige Erbe, und Katharina, seine jüngste Schwester. 

Beide haben ein Geheimnis, aber natürlich ist das Leben für die unmündige Katharina wesentlich schlimmer als für ihren zehn Jahre älteren Bruder. 

Die Mutter, Feodora, ist eine vom Ehrgeiz zerfressene, gewalttätige Person, der Vater, Adolphis, ist ein Schlappschwanz.

Die beiden Kinder die nicht mehr im Haus leben werden von ihren Geschwistern nicht vermisst. Sie haben denselben Dünkel wie ihre Mutter, was besonders bei Nikolaus sehr ausgeprägt ist. Er wird sicher mal ein glühender Anhänger Hitlers werden — die Anzeichen und Anschauungen sind schon da. 
Die Dienstboten sind auch interessant: im Grunde spiegeln sie die schlechtesten Eigenschaften ihrer Herrschaft wider, aber darauf kann man sie nicht reduzieren. Alle haben ihr Päckchen zu tragen, was sie mehr oder weniger würdevoll tun. 
Die Pächter haben Angst vor Neuerungen, was sicher nicht zuletzt auf ihre fehlende Bildung zurückzuführen ist. 
Mittlerweile schwelt es im Reich, die Arbeiter werden immer unzufriedener, und die Bürgerlichen mit Geld drängen in die Adelskreise — zumindest versuchen sie es. 
Alles steuert auf den 1. Weltkrieg zu. 
Wir verlassen das Gut und Dorf kurz nach Ausbruch des Krieges — ohne allerdings zu erfahren, wie es weitergeht. Zwei weitere Bände werden folgen, worauf man gespannt sein darf. 

Das ‘Downton Abbey in Hinterpommern’ aus dem Klappentext ist absolut gerechtfertigt. 
Es gibt Parallelen zu dieser beliebten Fernsehserie, was natürlich in der Natur der Sache liegt, denn die Lebensbedingungen der Adligen und Untergebenen waren sicher überall in Europa recht ähnlich. 
Es gibt aber auch genügend Unterschiede, zum Beispiel ist der Ton im Haus hier viel schärfer als wir es von Lady Cora oder ihrem Mann Robert gewohnt sind. Es gibt auch die Thomas Barrow und Sarah O’Brien Äquivalente, aber keinen Carson. 

Dieser Roman hat Spaß gemacht. Er ist gut geschrieben und zeigt die Gesamtsituation im Reich sehr schön auf, lebendig gemacht durch die doch sehr verschiedenen Charaktere und ihre äußeren und inneren Konflikte. 

Rezension: Andreas Eschbach – NSA (Audio)

Andreas Eschbach: NSA, Sprecherin: Laura Maire, Lübbe Audio, 22:15Std; 16,99€ ISBN: 9783838789156

 

Inhalt:

Wir befinden uns im Deutschland des Jahres 1942. Hitler hat das deutsche Volk vollkommen unter Kontrolle, nicht zuletzt dank ausgereifter Computertechnologie, welche eine lückenlose Überwachung eines jeden Bürgers ermöglicht.

Helene ist eine Programmiererin, und eine sehr gute dazu. Sie schreibt mit Feuereifer alle möglichen Programme, ohne sich über deren Konsequenzen im Klaren zu sein.

Nach und nach geht ihr jedoch auf, dass ihre Programme dazu beitragen versteckte Juden und andere Flüchtlinge aufzuspüren, und da ein geliebter Mensch zu dieser Gruppe gehört, muss sie auf Wege sinnen, ihn zu schützen.

Um ihn zu retten geht sie einen Deal ein…

Meine Meinung:

Dies ist ein großartiges Buch. Sehr verstörend, da ist man froh, dass Hitler noch keine Computer und heutige Technologie zu seiner Verfügung hatte. Er hat ja schon mehr als genug Schaden angerichtet mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung standen. Nicht auszudenken, was er heutzutage gemacht hätte — aber halt, genau das hat Andreas Eschbach ausgedacht.
Und es ist schrecklich.
Es ist auch beunruhigend, dass wir heutzutage so viel online machen. Unsere ganzen Daten sind dort, für alle Welt zum Missbrauch zugänglich, denn wir (bzw unsere Daten) sind auch nur so gut geschützt wie die Server auf denen sie liegen — und die werden ja ständig spektakulär gehackt.

Und obwohl ich mir all dessen bewusst bin, empfinde ich es als angenehm. dass ich z.B. meinen Stromzählerstand online übermitteln kann.
Im Grunde, und besonders nach Lektüre dieses großartigen Romans, sollte man sagen: wehret den Anfängen — aber natürlich rechnet niemand wirklich damit, dass seine Daten derart missbraucht werden.

Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, und ich wünschte mir, dass es ins Englische übersetzt würde, damit viel mehr Leute es lesen könnten.

Laura Maire als Sprecherin hat ihre Sache großartig gemacht — sehr eindringlich, ohne theatralisch zu sein.
Ein fantastisches Hörerlebnis.

Rezension: Luca Di Fulvio: Als das Leben unsere Träume fand

Luca Di Fulvio: Als das Leben unsere Träume fand; übersetzt von Barbara Neeb, Katharina Schmidt; Bastei Lübbe; TB 768 S., €12,00

Zuerst sind es Albträume

Worum es geht: Rocco und Rosetta aus Italien, sowie Raquel aus Russland verschlägt es aus den verschiedensten Gründen nach Buenos Aires, Argentinien. Alle Drei hoffen auf einen Neuanfang, auf eine Verbesserung ihrer bisherigen Lebensumstände, aber das Leben wirft ihnen Knüppel zwischen die Beine. Sie alle müssen schreckliche Dinge erleben, bevor sie irgendwann Hoffnung schöpfen können. 

Bei diesem Buch tue ich mich schwer, eine Rezension zu schreiben. Auf der einen Seite hat es einen gewissen Unterhaltungswert, ist flüssig geschrieben, und für ca 3/4 des Buches auch recht spannend. Auf der anderen Seite war es mir persönlich viel zu gewalttätig (Gewalt um der Gewalt willen, nichts, was die Handlung des Buches wirklich vorangebracht hätte); einige Entwicklungen waren vorhersehbar, und es gab auch gewisse Ungereimtheiten, wie zum Beispiel die Sprachbarriere, die schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr vorhanden war, obwohl unsere Protagonisten sich mehr oder weniger ausschließlich in Kreisen bewegen, wo sie wenig bis gar nicht mit der Landessprache konfrontiert werden. ​

Das Thema der Emigration nach Argentinien im 19. und 20. Jahrhundert ist sehr interessant, desgleichen das Thema der vielen jüdischen Mädchen die ohne ihre Familien nach Buenos Aires kamen um hier ein besseres Leben zu finden. ​Über die Sociedad Israelita de Socorros Mutuos (später auch nach ihrem Gründer “Zwi Migdal” benannt), hatte ich vorher noch nie etwas gehört, von daher habe ich doch auch etwas mitgenommen.(Wer das Buch noch nicht gelesen hat sollte dieses auf keinen Fall googeln bevor er/sie mit lesen anfängt).​
​Wir lernen allerdings wenig darüber, wie die Argentinier selbst mit dieser Massenemigration umgingen, wir bewegen uns lediglich in den italienischen und jüdischen Kreisen der Immigranten.
Diese werden als durchaus hoffnungslos und gewalttätig beschrieben, wenngleich es für unsere Protagonisten und die Freunde, die sie finden, durchaus einen Hoffnungsschimmer gibt. ​

Da ich kurz vorher ‘Der Junge, der Träume schenkte’ gelesen hatte, fielen mir viele Parallelen auf, was mich mit dem Eindruck zurückließ: kennst du eines, kennst du alle.
Wen Gewaltorgien nicht abschrecken, und wer etwas über die Zustände in Italien, Russland, und Argentinien im Jahre 1913 erfahren möchte, kann ich dieses Buch empfehlen, denn es liest sich flüssig und ist durchaus unterhaltsam. Empfindsame Gemüter sollten besser die Finger davon lassen.

Ich bedanke mich bei Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar.

Rezension: Martin Krist – Stille Schwester (Alanna 2)

 

Inhalt:

Ein Serienkiller hält die Berliner Polizei — besonders das Team um Henry Frei und Louisa Albers — in Atem.

Zusammenhänge zwischen den ermordeten Personen scheint es nicht zu geben, aber der Täter hinterlässt Botschaften am Tatort, so dass eine wilde Jagd beginnt, um den nächsten Mord zu verhindern.

Natürlich gibt es noch diverse andere Fälle, die die Aufmerksamkeit unseres Teams beanspruchen, unter Anderem ein verschwundener Teenager.

Meine Meinung:

Mit ‘Stille Schwester’ hat Martin Krist erneut einen Thriller vorgelegt, der es in sich hat.

Trotz des Hinweises im Titel, dass es ein zweiter Band zu einem Thema ist, ist es nicht erforderlich den ersten Band zu kennen, um Stille Schwester folgen zu können. Man sollte sich allerdings selbst den Gefallen tun und den ersten Band lesen…

Wie gewohnt bei Martin Krist, bekommt man alles, was einen spannenden Thriller ausmacht, und das Rätselraten und Bibbern fängt schon mit dem Prolog an!

Der Spannungsbogen wird durch das gesamte Buch aufrecht erhalten, man fiebert mit, und verdächtigt die falschen Personen. Die Auflösung ist schlüssig, die Charaktere glaubwürdig.

Obwohl die Fälle aufgeklärt werden bleiben so einige Fragen offen, was ich persönlich unbefriedigend finde — und die Fortsetzung lässt noch auf sich warten.

Trotzdem sehr zu empfehlen, nicht nur für Fans von Martin Krist.

Masaji Ishikava – A River in Darkness

Masaji Ishikawa: A River in Darkness: One Man’s Escape from North Korea; Risa Kobayashi – Übersetzer, Martin Brown – Übersetzer; Brilliance Audio; 5h54, Sprache: Englisch; € 16,58

 

Dies war kürzlich der Daily Deal bei Audible, und weil es sich interessant anhörte, habe ich es gekauft. Und angehört. Leider scheint es keine deutsche Übersetzung zu geben, aber wer englisch kann, sollte es unbedingt lesen oder hören. (Es ist als ebook kostenlos mit kindle unlimited).

Die Flucht im Untertitel macht nur einen relativ geringen Teil der Geschichte aus. Es geht hauptsächlich um das Leben, oder vielmehr Sterben in Nord Korea.

Nord Korea ist ja seit geraumer Zeit hier in den Schlagzeilen, aber da geht es es um die militärische Bedrohung für die gesamte Welt, die das Land repräsentiert.

Selbstverständlich wird das Militär im Buch auch erwähnt, aber es geht insbesondere um die erschreckenden Lebensumstände der Bevölkerung, denen diese schon seit Jahrzehnten ausgesetzt ist.

Natürlich ist uns allen bekannt, dass ein totalitäres Regime die Bevölkerung bespitzelt und unterdrückt, einsperrt, Gehirnwäschen unterzieht, oder erschießt, und aus unserer eignen Geschichte wissen wir, dass Planwirtschaft und der sogenannte Sozialismus zu großem Mangel an so ziemlich Allem führt, was man fürs Leben so braucht, und wie schrecklich die Bespitzelung und Gewaltherrschaft sind.

Aber dass als Folge von Planwirtschaft und Bürokratie eine ganze Bevölkerung verhungert war mir persönlich nicht gegenwärtig.

Masaji Ishikawa zeichnet ein erschreckendes Bild der Zustände in Nord Korea von Anfang der 1960er Jahre bis heute. Die Hoffnungslosigkeit, die Perspektivlosigkeit, der ständige Hunger und der Mangel an Komfort sowie an Hygieneeinrichtungen werden eindrucksvoll geschildert, desgloeichen die Willkür derer, die die Macht haben.

Das Buch endet damit, dass es dem Autor in Japan anfangs materiell nicht wesentlich besser geht als in Nord Korea: er wurde gar für einen Spion gehalten.

Meine online Suche ergab wenigstens diesen Link.

Die Geschichte ist also leider noch nicht zu Ende, und von einem Happy End keine Spur.

Das Buch hat mich sehr berührt, und ich bin entsetzt, dass man so gar nichts machen kann. Leider sind die Chinesen, die eventuell helfen könnten, ja politisch nicht sehr weit von den Nordkoreanern entfernt, und natürlich spielen die Medien (Zeitungen, Fernsehen) mal wieder eine sehr negative Rolle, und die japanische Regierung ist auch nicht besonders hilfreich.

Ich hoffe, dass die zurückgebliebene Familie des Autors noch lebt, und dass es ihm irgendwann irgendwie gelingt, sie nach Japan zu holen.

Die Erzählung wurde übrigens von Brian Nishii hervorragend gelesen.

 

 

Rezension: Michaela Saalfeld – Was wir zu hoffen wagten

Michaela Saalfeld: Was wir zu hoffen wagten; Bastei-Lübbe; ebook; 575 S. €9,99

 

Über dieses Buch (Klappentext)
Berlin, 1912: Felice träumt davon, Jura zu studieren, das aber ist Frauen im Kaiserreich verwehrt. Ihren Bruder Willi fasziniert die Welt des Films, doch er muss das väterliche Bankgeschäft übernehmen. Die Jüngste schließlich, Ille, ist in einer Ehe mit einem brutalen Mann gefangen. Drei Geschwister, drei Hoffnungen, drei Lebensentwürfe, die bei Ausbruch des großen Kriegs völlig auf den Kopf gestellt werden. Werden sich die Geschwister in den Trümmern ihrer Heimat neu finden? Ist die junge Republik auch für sie der Weg in eine neue Zeit?

Über die Autorin
Als Autorin und Historikerin hat sich Michaela Saalfeld ganz der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschrieben. Mit ihrem Roman über die Anfänge der ersten deutschen Demokratie hat sie sich einen lebenslangen Wunsch erfüllt. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Meine Meinung:

Dies ist das beste Buch das ich dieses Jahr gelesen habe. Es erzählt schonungslos die Realität des ersten Weltkrieges am Beispiel Yperns (Ieper).
Die Gräueltaten die dort begangen wurden stehen für die Schrecken des gesamten ersten Weltkrieges.
Vieles war mir gar nicht bekannt, und ich war nicht die Einzige in unserer Leserunde die im Lesen innehalten musste um den Stoff zu verdauen.
Dies ist allerdings beileibe nicht das einzige Thema des Buches. Es geht um viel mehr:
sexuelle Belästigung in der Familie, häusliche Gewalt, und die Ohnmacht der Frauen der damaligen Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Frauenwahlrecht – Berufswahl für Frauen – Selbstbestimmung der Frau? Fehlanzeige. Unterdrückung wo man hinsieht.
Die Protagonistin Felice begehrt dagegen auf, und obwohl ich ihre Rebellion verstehen konnte, war sie mir über große Teile des Buches hinweg nicht nur unsympathisch — ich konnte sie nicht ausstehen.
Das hat mir jedoch das Buch nicht vergällt, im Gegenteil. Eine Protagonistin mit Ecken und Kanten und einem klaren Profil, die kein Übermensch und keine Heldin ist trifft man in der Literatur viel zu selten an. Außerdem gibt es viele Nebencharaktere die faszinierend sind und ihre Rolle spielen.

Sie alle machen eine –mitunter erstaunliche — Entwicklung durch.

Auch die Wissenschaft und Technik der Zeit macht rasante Fortschritte, sei es bei Film und Fernsehen, oder im Bereich der Luftschifffahrt — von den Chemiewaffen gar nicht zu reden.

Das Buch vereint alle diese Themen, verwebt sie zu einer faszinierenden, nachdenklich machenden Geschichte die lange nachwirken wird. Das alles passiert in einer wunderschönen Sprache, und ohne dass der moralische Zeigefinger erhoben wird.

Ein wirklich beeindruckendes Buch das man unbedingt lesen sollte.

Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar.

Rezension – Mari Griffith: Das Geheimnis der Königin

 

 

Mari Griffith: Das Geheimnis der Königin (orig: The Root of the Tudor Rose, übersetzt von Cécile Lecaux); ebook, 405 S., Bastei Lübbe, Mai 2018; 6,99€

Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen. Es ist leichte Lektüre für historisch interessierte LeserInnen.

Es lebt von vielen kleinen Details über Sitten und Gebräuche, auch wenn sich diese nicht so ohne weiteres verifizieren lassen.

Der Schreibstil ist angenehm, aber stellenweise sehr Husch-Husch, so dass einem die Hauptfiguren emotional fernbleiben.

Die ersten 2/3 des Buches sind sehr interessant, aber es wird vieles erwähnt was dann nie wieder aufgegriffen und erklärt wird.

Wenn man mehr wissen möchte, muss man selbst recherchieren. Dankenswerter Weise gibt die Autorin am Anfang des Buches die (für diese Geschichte) wichtigsten Stammbäume an, und am Ende des Buches gibt es einen historischen Überblick mit weiterführenden Links.

Wer hier auf ein Romanze, oder wenigstens gefühlvolle Beschreibung der heimlichen Ehe Catherines mit Owen Tudor hofft, wird bitterlich enttäuscht werden.
Für mich kam zwar die Atmosphäre der machtlosen Frauen (und seien sie auch Königin von England), und die Unterdrückung der Waliser herüber, aber Catherine, Owen, und auch Heinrich blieben mir fern.
Da alles so im Zeitraffer geschrieben ist konnte ich keine wirkliche Beziehung zu den Figuren aufbauen, auch wenn deutlich wurde wie sehr sie alle gelitten haben.

Als leichte Lektüre kann ich es empfehlen, aber wer tiefer eintauchen möchte wird bei diesem Buch zu kurz kommen.

Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar.

Rezension: Michael Kibler – Treueschwur

Michael Kibler: Treueschwur, Piper; Taschenbuch; 384 S.; €13,00

Klappentext:

Während eines Kongresses der Gerichtsmediziner in Darmstadt wird bei Renovierungsarbeiten im Kongresszentrum ein Schädel gefunden. Steffen Horndeich und Leah Gabriely von der Mordkommission finden heraus, dass der Besitzer des Schädels vor sehr langer Zeit verstorben sein muss. Ganz anders sieht es bei den Skelettresten aus, die wenig später in einem Waldgebiet auftauchen: Das Mordopfer kann noch nicht so lange tot sein. Schon die Feststellung der Identität wird zu einem komplexen Puzzlespiel. Und dann mehren sich die Hinweise, dass ausgerechnet der Schädel bei der Lösung des Falls eine wichtige Rolle spielen könnte.

Meine Meinung:

Treueschwur ist der erste Krimi von Michael Kibler den ich gelesen habe.
Anfangs habe ich ein bisschen gebraucht, um die verschiedenen Personen einordnen zu können, aber dafür, dass dies schon der 10. Band einer Reihe von Krimis ist die ich alle nicht kenne, ging es dann doch erstaunlich schnell, und das Buch zog mich schnell in seinen Bann.
Ich würde es mal als ‘sauberen’ Krimi bezeichnen, es gibt keine ‘ekligen’ Details, und obwohl es natürlich Gewalt gibt — schließlich geht es unter Anderem um einen Mord — ist es nicht so haarsträubend und erschreckend wie in manch anderem Krimi den ich kenne, und von daher sehr glaubwürdig. Die Geschichte um den Schädel ist von der Idee her grandios, und das Ermittlerteam ist großartig und hat mir gut gefallen.
Die Art und Weise wie die Ermittlungen durchgeführt werden hören sich für mich als Laien durchaus glaubwürdig an, und alles ist in sich schlüssig.
Der Schreibstil ist gut und flüssig, verliert sich jedoch gelegentlich in zu detaillierten Beschreibungen irgendwelcher Automarken, was mich dann veranlasste, diese Stellen quer zu lesen.
Jemand der sich für Autos interessiert kommt hier sicher voll auf seine Kosten; für mich persönlich hat es nichts zur Geschichte beigetragen.

Wer gerne solide, glaubwürdige Krimis liest ist mit Treueschwur sehr gut beraten.